Frère Roger, Taizé



Könnten wir uns sagen, wenn wir vor anderen das Evangelium auslegen oder ein Gebet sprechen: „Dein Beten und Reden sollen nie die geringste Drohung im Namen Gottes enthalten!“ Gott ist Liebe. Er zwingt sich den Menschen nicht dadurch auf, dass er ihnen Angst macht. Christus hat sogar, als er misshandelt wurde, niemanden bedroht.










Madeleine Delbrêl

Unsere kleinen Taten


Darum wird auch durch unsere kleinen Taten, in denen wir nicht zwischen Gebet und Aktion unterscheiden können, die Liebe zu Gott und die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern vollkommen eins.
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Dann wird das Leben ein Fest.
./.
Was immer wir zu tun haben: einen Besen oder eine Füllfeder in der Hand haben. Reden oder schweigen, etwas flicken oder einen Vortrag halten, einen Kranken pflegen oder auf der Schreibmaschine schreiben:
All das ist nur die Rinde einer herrlichen Realität: die Begegnung der Seele mit Gott, die sich in jeder Minute erneuert, in jeder Minute an Gnade zunimmt, immer schöner wird für ihren Gott.

Es läutet? Schnell, aufmachen! Es ist Gott, der uns lieben kommt.
Eine Auskunft? Bitte sehr. Gott ist es, der uns entgegen kommt.
Es ist Zeit, sich zu Tisch zu begeben? Gehen wir: Es ist Gott, der uns lieben kommt. Lassen wir ihn gewähren.



~


Wir müssen Jesu Leben
mit unserem Leben leben,
oder besser,
unser Leben durch sein Leben.
Das aber bedeutet
nicht eine Kopie sein,
sondern das Original.












Dietrich Bonhoeffer


Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum (Schicksal) ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.





Von guten Mächten

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.


Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.


Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.


Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.


Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.


Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.


Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.


Dietrich Bonhoeffer (1944) 




By gracious powers
English Version

By gracious powers so wonderfully sheltered,
and confidently waiting come what may,
we know that God is with us night and morning,
and never fails to greet us each new day.

Yet is this heart by its old foe tormented,
still evil days bring burdens hard to bear;
Oh, give our frightened souls the sure salvation
for which, O Lord, You taught us to prepare.

And when this cup You give is filled to brimming
with bitter suffering, hard to understand,
we take it thankfully and without trembling,
out of so good and so beloved a hand.

Yet when again in this same world You give us
the joy we had, the brightness of Your Sun,
we shall remember all the days we lived through,
and our whole life shall then be Yours alone.

Übersetzung: F. Pratt Green

 



Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
 
Gedicht aus: Widerstand und Ergebung









Dorothee Sölle



Vom Hunger nach Sinn und vom Dritten Weg

Zur Inspiration und zur Ermutigung hier einige Gedichte
von Dorothee Sölle.

Wie Spatzen sind meine wünsche
freche unmusikalische vögel
oft hab ich sie weggescheucht
auch den einen oder anderen zu Boden getroffen
mit meiner analytischen schleuder
und mir einfach vorgenommen
ohne Spatzen zu leben
in einem Wohnschacht zum Beispiel
hell erleuchtet gar nicht besonders schmutzig
hübsche Sachen zum aussuchen und einwickeln
finde ich dort die trag ich
von einem ende der u-bahnstation
zum andern
warum nicht gleichmäßig mein leben zubringen
ohne die störenfriede
arglos kommen sie wieder
suchen mich auf und besetzen das land
wie oft hab ich sie weggescheucht
freche unmusikalische vögel
wie Spatzen ihr meine wünsche



Der dritte weg

Wir sehen immer nur zwei Wege
sich ducken oder zurückschlagen
sich kleinkriegen lassen oder
ganz groß herauskommen
getreten werden oder treten

Jesus du bist einen anderen weg gegangen
du hast gekämpft aber nicht mit waffen
du hast gelitten aber nicht das unrecht bestätigt
du warst gegen gewalt aber nicht mit gewalt

Wir sehen immer nur zwei möglichkeiten
selber ohne luft sein oder andern die kehle zuhalten
angst haben oder angst machen
geschlagen werden oder schlagen

Du hast eine andere möglichkeit versucht
und deine Freunde haben sie weiterentwickelt
sie haben sich einsperren lassen
sie haben gehungert
sie haben spielräume des handelns vergrößert

Wir gehen immer die vorgeschriebene bahn
wir übernehmen die methoden dieser welt
verachtet werden und dann verachten
die andern und schließlich uns selber

Laßt uns die neuen wege suchen
wir brauchen mehr phantasie als ein rüstungsspezialist
und mehr gerissenheit als ein waffenhändler
und laßt uns die überraschung benutzen
und die scham die in den menschen versteckt ist




Erneuere auch unser Herz
und gib uns den Geist
der Klarheit und des Muts
denn das Gesetz des Geistes
der uns lebendig macht in Christus
hat uns befreit
von dem Gesetz der Resignation
Lehre uns die Kraft
der kleinen Leute zu spüren
und keine Angst mehr zu haben
wenn wir widersprechen

Erneuere auch unser Herz
und lass uns wieder miteinander reden
lehre uns zu teilen statt zu resignieren:
das Wasser und die Luft,
die Energie und die Vorräte
zeig uns, dass die Erde dir gehört
und darum schön ist



Hunger nach Sinn

Ich werde manchmal gefragt,
warum ich denn “immer noch” für Gerechtigkeit,
Friede und die gute Schöpfung eintrete.
“Immer noch?” frage ich zurück,
wir fangen doch gerade erst an,
aus der Verbundenheit mit dem Leben heraus,
zu kämpfen, zu lachen, zu weinen.
Wir können uns doch nicht auf das geistige Niveau
des Kapitalismus zurückschrauben
und ständig “Sinn” mit “Erfolg” verwechseln.

Das ist eine lebensgefährliche Verwechslung,
wenn wir das Leben zurückrechtstutzen
auf das Machbare und das,
was sich konsumieren lässt.
Meine Tradition hat uns wirklich mehr versprochen!
Ein Leben vor dem Tod, gerechtes Handeln
und die Verbundenheit mit allem, was lebt,
die Wölfe neben den Lämmern und Gott nicht oben
und nicht später, sondern jetzt und hier.
Bei uns, in uns.



Einer und ein Freund und ein Freund und ein Freund
sag nicht das gibt vier
es sind mehr
das Kleine Einmaleins ist die Freundschaft
das Große die Revolution

Fang mit dem Kleinen an
denn ein Freund herrscht nicht
ein Freund hat immer Zeit
oder er weiß einen der jetzt Zeit hat
ein Freund weiß immer Rat
oder er kennt einen andern der Rat weiß
ein Freund ist immer zuständig
oder er findet wer zuständig ist

Das Kleine Einmaleins ist das Netzwerk
das Große die neue Stadt



Frei werden

Frei werden wir erst,
wenn wir uns mit dem Leben verbünden,
gegen die Todesproduktion
und die permanente Tötungsvorbereitung.

Frei werden wir
weder durch den Rückzug ins Private, ins “Ohne mich”,
noch durch Anpassung an die Gesellschaft,
in der Generäle und Millionäre besonders hoch geachtet werden.

Frei werden wir,
wenn wir aktiv, bewusst und militant für den Frieden arbeiten.











Liu Xiaobo mit seiner Frau


Liu Xiaobo: Der Freiheit geopfert

"Eines Tages werden wir frei sein"



Liu Xiaobos plante die folgende Verteidigungsrede vor Gericht zu halten. (Auszug)

Im Juni 1989 (dem Tag der gewaltsam niedergeschlagenen Studentenproteste auf dem Tiananmen-Platz in Peking, Anm. d. Red.) erlebte ich den größten Wendepunkt meines Lebens. [...]
Meine dramatischsten Erlebnisse nach dem 4. Juni 1989 haben allesamt mit Gerichten zu tun. Die Anklage war jedes Mal unterschiedlich, doch handelt es sich im Kern stets um das Gleiche: Ich verstieß gegen das Gesetz, weil ich meine Meinung sagte. Der 4. Juni 1989 bewog mich dazu, den Weg des Dissidententums zu beschreiten. Nach meiner Haftentlassung 1991 verlor ich das das Recht, mich in meiner Heimat öffentlich zu äußern.

Viele Jahre wurde ich beobachtet, unter Aufsicht gestellt und in ein Arbeitslager gesteckt.
Jetzt werde ich wieder von meinen Feinden im Regime unter Druck gesetzt.
Aber ich möchte dem Regime, das mir meine Freiheit vorenthält, sagen:
Ich habe keine Feinde. Weder die Polizisten,
die mich überwacht, gefangen genommen und verhört haben,
noch die Staatsanwälte, die mich angeklagt, noch die Richter, die mich verurteilt haben,
sind meine Feinde.
Ich akzeptiere eure Überwachung, euren Arrest, eure Urteile nicht,
aber ich respektiere euren Beruf und eure Persönlichkeiten.

Hass zerfrisst die Weisheit und das Gewissen einer Person,
Feindesdenken kann den Geist einer Nation vergiften,
Toleranz und Menschlichkeit zerstören und
den Weg zu Fortschritt und Demokratie verstellen.
Ich hoffe, in der Lage zu sein,
die Feindseligkeit des Regimes mit besten Vorsätzen zu erwidern und
Hass mit Liebe zu entschärfen.

Die Politik der Öffnung hat Staat und Gesellschaft weiterentwickelt.
Wir begannen, uns vom Klassenkampfprinzip der Mao-Ära zu verabschieden, und verpflichteten uns stattdessen wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Harmonie.
Langsam wandelte sich das Land hin zu mehr Rechtsstaatlichkeit.
Selbst im politischen Bereich, wo der Fortschritt am langsamsten ist,
sind die Verantwortlichen der Gesellschaft gegenüber toleranter geworden,
Dissidenten werden nicht mehr ganz so hart verfolgt.
Die Bewegung von 1989 galt fortan nicht mehr als "angestiftete Rebellion",
sondern als "politische Erhebung". 1998 versprach China, die Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen zu unterschreiben;
China verpflichtete sich damit internationalen Standards.
2004 schrieb der Volkskongress zum ersten Mal in der Verfassung fest,
dass "der Staat Menschenrechte respektiert und sichert".
Damit hat das Regime signalisiert,
Menschenrechte als grundlegendes Prinzip der Rechtsstaatlichkeit anzuerkennen.

Was dies bedeutet, habe ich gesehen, seit ich in Haft sitze.
Ich beharre auf meiner Unschuld und darauf,
dass die Anklagen gegen mich verfassungswidrig sind.
Doch habe ich in all der Zeit, seit ich meine Freiheit verlor,
weder Respektsverletzungen noch erzwungene Geständnisse hinnehmen müssen.
Ich glaube daran, dass die politische Entwicklung Chinas nie haltmachen wird.
Keine Kraft der Welt kann dem menschlichen Drang nach Freiheit Einhalt gebieten.
Dereinst wird China ein Land sein,
in dem Freiheit und Menschenrechte an erster Stelle stehen.

Wenn Sie mich fragen,
was meine glücklichste Erfahrung der vergangenen beiden Jahrzehnte sei, so antworte ich, es war die selbstlose Liebe meiner Ehefrau Liu Xia.
Und selbst wenn ich zu Pulver zermalmt werde,
werde ich dich mit meiner Asche umarmen.
Mit deiner Liebe werde ich meinem bevorstehenden Prozess mit Ruhe begegnen,

ohne meine Entscheidungen zu bedauern, voller Zuversicht.

Ich freue mich auf mein Land, in dem die Sichtweisen aller Bürger gleichbehandelt werden, in dem alle politischen Meinungen öffentlich werden, auf dass der Bürger wählen kann,
in dem sich jeder ohne Angst äußern kann und nicht verfolgt wird,
weil er Abweichendes von sich gab.
Ich hoffe, das letzte Opfer
der endlosen chinesischen Literaturinquisition zu sein

und dass danach niemand mehr wegen seiner Meinung eingesperrt wird.
Freie Meinungsäußerung ist Grundlage der Menschenrechte,
Ursprung der Menschlichkeit und Mutter der Wahrheit.
Sie zu verhindern heißt, auf Menschenrechten herumzutrampeln,
Menschlichkeit zu erdrosseln und die Wahrheit zu unterdrücken.
Ich fühle mich nicht schuldig dafür,
mein verfassungsmäßiges Recht auf freie Meinungsäußerung auszuüben;
meiner gesellschaftlichen Verantwortung als Bürger nachzukommen.
Selbst wenn ich deswegen angeklagt werde, erhebe ich keine Klage.
Vielen Dank!


Mit diesen Worten wollte sich Liu Xiaobo am 23. Dezember 2009 vor Gericht in Peking verteidigen, sein Auftritt wurde ihm jedoch untersagt. Zwei Tage später wurde er wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt.












Desmond Tutu



Weltethos und Menschenwürde:
Eine afrikanische Perspektive

In vielen Ländern Afrikas spricht man von Ubuntu. Es bezeichnet im Grunde den Kern des Seins, den Kern der Persönlichkeit. Wir sagen: Du musst dich bemühen, all das zu sein, was du sein kannst, damit ich all das sein kann, was ich sein kann. Meine Menschlichkeit hängt mit deiner Menschlichkeit zusammen. Der einzelne losgelöste Mensch ist im Grunde genommen ein Widerspruch in sich. Wir sagen: Eine Person wird zur Person durch andere Personen, durch die Mitmenschen. Ich habe Gaben, die du nicht hast und du hast Gaben, die ich nicht habe. Und dann sagt Gott: ›Voilà, genau darum geht's. Dadurch erkennt ihr, dass ihr euch gegenseitig braucht.

Weltethos-Rede am 15. Juni 2009
Desmond Tutu, Alterzbischof und Friedensnobelpreisträger













Ernesto Cardenal

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, du bist groß.
Du bist in Atomenergie gekleidet wie in einen Mantel.
Wie auf der Töpferscheibe hast du
aus einer Wirbelwolke kosmischen Staubes
die Spiralen der Milchstraße gezogen.
Unter deinen Händen begann das Gas sich zu verdichten und zu glühen,
so formtest du die Sterne.
Wie Sporen oder Samen hast du die Planeten ausgestreut
und sätest Kometen wie Blumen.
Ein rotglühendes Meer war der ganze Planet,
Eisen und rote, geschmolzene Felsen
stiegen und sanken mit den Gezeiten.
Und alles Wasser war damals noch Dampf,
dunkle Wolkendecken hüllten die Erde ein.
Und dann begann es zu regnen - Jahrhundert um Jahrhundert,
ein jahrhundertelanger Regen fiel auf steinerne Kontinente.
Äonen später entstanden die Meere,
tauchten Gebirge auf (die Erde war schwanger).
Und die Berge wuchsen wie große Tiere,
aber das Wasser zernagte sie;
als Ruinenberg blieben sie liegen, Trümmer aus jenen Zeiten.
Das Zusammenspiel von Wasser und Licht erzeugte das erste Molekül,
die erste Bakterie teilte sich.
Im Prä-Kambrium erschien die erste glasige Alge,
von Sonnenenergie ernährt.
Durchsichtige Geißeltierchen,
Kristallglöckchen ähnlich oder Blumen aus Gelatine,
bewegten sich und pflanzten sich fort
(das ist der Ursprung von allem, was heute lebt).
Danach kamen die ersten Schwämme, Polypen mit Mund und Magen;
darauf die ersten Weichtiere
und die ersten Stacheltiere: Seestern und Seeigel.
In den Gewässern des Silurs
tauchten die ersten Scherentiere auf: Seeskorpione,
und im späten Silur der erste Raubfisch,
ein winziger Hai (der hatte schon eine Kinnlade).
Im Devon wuchs das Seegras zu Bäumen auf und lernte atmen,
verstreute seine Sporen und wuchs zu Wäldern;
seitdem gibt es Stengel und Blätter.
Dann kamen die ersten einfachen Tiere an Land,
Skorpione und Spinnen entflohen dem Meer;
mit ihren Flossen erschienen die ersten Amphibien,
und die Flossen wurden zu Füßen.
Und die ersten Blumen wurden von den ersten Bienen besucht.
Im Mesozoikum gab es die ersten Säugetiere,
winzig und warmblütig,
die ihre Jungen lebend gebaren und säugten.
Und zu Anfang des Quartärs erschufst du den Menschen.
Ich werde den Herrn preisen, solange ich lebe -
ich werde ihm Psalmen schreiben -
mögen meine Lieder ihm Freude machen.
Lobe den Herrn meine Seele, Halleluja!

(Schöpfungslied nach Psalm 103 von Ernesto Cardenal)
















Leonardo Boff

Gott erfahren ist etwas anderes
als über Gott nachdenken.

Gott erfahren heißt Gott spüren
mit dem Gesamt der eigenen Existenz.














Mutter Theresa

Der einfache Weg!

Die Frucht der Stille ist das Gebet.
Die Frucht des Gebetes ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist das Dienen.
Die Frucht des Dienens ist der Friede!




Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen, liebe sie trotzdem.

Wenn du Gutes tust, werden sie dir egoistische Motive und Hintergedanken vorwerfen, tue trotzdem Gutes.

Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde, sei trotzdem erfolgreich.

Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein, tue trotzdem Gutes.

Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar, sei trotzdem ehrlich und offen.

Was du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden, baue trotzdem.

Deine Hilfe wird wirklich gebraucht, aber die Leute greifen dich vielleicht an, wenn du ihnen hilfst, hilf ihnen trotzdem.

Gib der Welt dein Bestes, und sie schlagen dir die Zähne aus, gib der Welt trotzdem dein Bestes.
















Zeichnung aus Gott ist die Liebe. BIBLIA PAUPERUM
Bibelzeichnungen von Tadeusz. T. Głuszko
www.bibliapauperum.org.pl/page2.php













Gottes ewige Güte

Der Herr ist gnädig und barmherzig; seine Geduld hat kein Ende,
und seine Liebe ist grenzenlos!
Der Herr ist gut zu allen und schließt niemanden von seinem Erbarmen aus,
denn er hat allen das Leben gegeben.
Darum sollen dich alle deine Geschöpfe loben. Jeder, der dich liebt, soll dich rühmen
und weitersagen, wie großartig deine Königsherrschaft ist!
Sie alle sollen erzählen von deiner Stärke,
damit die Menschen erfahren, wie du deine Macht gezeigt hast und
wie prachtvoll und herrlich dein königliches Reich ist!
Deine Herrschaft hat kein Ende, sie wird bestehen von einer Generation zur anderen.
Auf das Wort des Herrn kann man sich verlassen, und was er tut, das tut er aus Liebe.
Wer keinen Halt mehr hat, den hält der Herr; und
wer schon am Boden liegt, den richtet er wieder auf.
Alle schauen erwartungsvoll zu dir, und du gibst ihnen zur rechten Zeit zu essen.
Du öffnest deine Hand und sättigst deine Geschöpfe; allen gibst du, was sie brauchen.
Der Herr ist gerecht in allem, was er tut; auf ihn ist Verlass!
Der Herr ist denen nahe, die zu ihm beten und es ehrlich meinen.
Er geht auf die Wünsche derer ein, die voll Ehrfurcht zu ihm kommen.
Er hört ihren Hilfeschrei und rettet sie.

(aus der BIBEL/ AT, Psalm 145)













Jesuslied

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude

Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude;
A und O, Anfang und Ende steht da.
Gottheit und Menschheit vereinen sich beide;
Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!
Himmel und Erde, erzählet's den Heiden:
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

Jesus ist kommen, nun springen die Bande,
Stricke des Todes, die reißen entzwei.
Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden;
er, der Sohn Gottes, der machet recht frei,
bringet zu Ehren aus Sünde und Schande;
Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

Jesus ist kommen, der starke Erlöser,
bricht dem gewappneten Starken ins Haus,
sprenget des Feindes befestigte Schlösser,
führt die Gefangenen siegend heraus.
Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser?
Jesus ist kommen, der starke Erlöser.

Jesus ist kommen, der Fürste des Lebens,
sein Tod verschlinget den ewigen Tod.
Gibt uns, ach höret's doch ja nicht vergebens,
ewiges Leben, der freundliche Gott.
Glaubt ihm, so macht er ein Ende des Bebens.
Jesus ist kommen, der Fürste des Lebens.

Jesus ist kommen, der König der Ehren;
Himmel und Erde, rühmt seine Gewalt!
Dieser Beherrscher kann Herzen bekehren;
öffnet ihm Tore und Türen fein bald!
Denkt doch, er will euch die Krone gewähren.
Jesus ist kommen, der König der Ehren.

Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden,
Sünden der ganzen Welt träget dies Lamm.
Sündern die ewge Erlösung zu finden,
stirbt es aus Liebe am blutigen Stamm.
Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen?
Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden.

Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden:
komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren so giftigen Schaden
Gnade aus dieser unendlichen Füll!
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.

Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.
Hochgelobt sei der erbarmende Gott,
der uns den Ursprung des Segens gegeben;
dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod.
Selig, die ihm sich beständig ergeben!
Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.

Jesus ist kommen, sagt's aller Welt Enden.
Eilet, ach eilet zum Gnadenpanier!
Schwöret die Treue mit Herzen und Händen.
Sprechet: wir leben und sterben mit dir.
Amen, o Jesu, du wollst uns vollenden.
Jesus ist kommen, sagt's aller Welt Enden.

(Johann Ludwig Konrad Allendorf (1693 - 1773))