Göttliche Kraft

Du bist Gerechtigkeit –
lebst in all den Initiativen
von Menschen
die sich nicht abfinden mit
Ausgrenzung und Ausbeutung

Du bist leidenschaftliche Kraft –
erfahrbar in einer
Widerstandskultur
wo jeder Mensch
seine Würde behält

Du bist Gerechtigkeit und Barmherzigkeit –
geheimnisvoll nahe
in unserem Hunger und Durst
nach deiner verwandelten Welt.

(Pierre Stutz, Quelle unbekannt)




Zeitzeugen


Zeitzeugen gegen die Ungerechtigkeit und Unterdrückung der Armen

Christoph Blumhardt, 1900
Jetzt ist Fömmigkeit nicht mehr die Hauptsache, sondern Menschenliebe.
Und weil ich darin Gott erkannt habe, ist meine Aufgabe anders als die meines Vaters. Er konnte nicht Sozialist sein, ich muss es sein. Und wer Gott erkennt und berufen ist, zu schaffen, der darf keinen Augenblick das Ziel aus den Augen lassen. Da heißt es eben dann jetzt: halte dich zu den Elenden! Dort findest du Gott, Gott ist jetzt bei den Elenden, den Armen, den Unterdrückten. Dort suche aus du ihn! Dort hilf! Hilf auch dann, wenn alle dich im Stich lassen!

Karl Barth, 1915
Ein verwirklichter Christ muss Sozialist werden (wenn er mit der Reformation des Christentums Ernst machen will). Ein wirklicher Sozialist muss Christ sein (wenn ihm an der Reformation des Sozialismus gelegen ist).

Clara Ragaz-Nadig, 1915
Wir müssen um eine Wirtschaftsordnung kämpfen, die Brot und Land, Macht und Recht wieder gleichmäßiger verteilt, und nicht durch Anhäufung ungeheurer Schätze in den Händen einiger Weniger diese Wenigen zu den Beherrschern der Märkte und damit zu den eigentlichen Herrschern der Welt macht.

Erwin Eckert, 1928
Egoistische, gewalttätige, lieblose, unverantwortliche Menschen, die sich nicht in den Dienst eines Höheren und Ewigen gestellt wissen, die sich nicht von innen her zum Dienst an den Mitmenschen gezwungen sehen, werden die sozialistische Gemeinschaft nie bauen können.

Emil Fuchs, 1927/28
Darin steht allen Menschseins Wahrheit und Wirklichkeit, dass wir gerufen sind, um diese Welt der Güte zu ringen, zu leiden und an ihrer Verwirklichung immer zu verzweifeln. Aus dem allen (Hass, Gier, Streit) ruft es uns mit heißer Sehnsucht zu der Brüderlichkeit, der alle Dinge gemein sind, dass sie alle, alle Brüder sind, die von diesem Leben vernichtet, zertreten und in Elend verzweifeln. Und es ruft aus der gewaltigen Bewegung der Zertretenen und Ausgebeuteten, aus der Bewegung des Sozialismus. Da hören wir am gewaltigsten den Ruf Gottes.

Adolf Grimme, 1946
Sozialisten können Christen sein. Christen müssen Sozialisten sein.

Leonhard Ragaz, 1945
Sein Reich soll kommen zu uns auf die Erde, nicht wir zu einem Reich in einem fernen Jenseits und nicht erst nach dem Jüngsten Gericht nach der Auferstehung der Toten, sondern auch schon jetzt. Sein Wille soll auf Erden geschehen, nicht im Himmel, wo er schon erfüllt ist, aber er soll auf Erden so vollkommen geschehen wie im Himmel. Nicht die Erde soll in den Himmel hinaufgezogen werden, sondern der Himmel auf die Erde herab.

Paul Tillich, 1963
Aus dem Charakter der Kirche als ‚Gemeinschaft der Liebe’ folgt, dass solche Formen der Ungleichheit angegriffen und geändert werden, die eine tatsächliche Gemeinschaft der Liebe und des Glaubens unmöglich machen. Die Kirche muss ihr prophetisches Wort gegen solche Formen von Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit richten, in erster Linie aber gegen sich selbst und ihre eigene soziale Struktur.

Helmut Gollwitzer, 1980
Die Umkehr, zu der die christliche Gemeinde durch Gottes Wort täglich gerufen wird, umfasst auch die Abkehr von ihrer Einbindung in das herrschende Privilegiensystem und ihren tätigen Einsatz für gerechtere, also nicht mehr durch gesellschaftliche Privilegien bestimmte Gesellschaftsstrukturen. Deshalb ist die primär wichtige Frage heute nicht die nach dem Verhältnis von Christentum und Sozialismus, sondern zuerst die nach dem Verhältnis von Christsein und Kapitalismus: Kann man als Christ das gegenwärtige Gesellschaftssystem samt der ihm zugrunde liegenden Wirtschaftsordnung bejahen und verteidigen, oder muss das für einen Christen nicht unerträglich sein?

Ernesto Cardenal, 1998
Es gibt einen spirituellen Glauben, der unfähig ist, die Welt zu verändern. Der einzige Weg ist der Glaube an die Revolution, der identisch ist mit dem Glauben an das Königreich, oder genauer übersetzt: an das Reich Gottes. Zu Lebzeiten Christi hatte der Begriff Königreich dieselbe subversive Bedeutung wie in unserem Zeitalter das Wort Revolution. Dieser Glaube an die Theologie und Mystik der Revolution ist es, der wieder Hoffnung spenden kann. Mit diesem Glauben können wir wieder von Sozialismus sprechen.


Dorothee Sölle, 1929-2003
Frei werden

Frei werden wir erst,
wenn wir uns mit dem Leben verbünden,
gegen die Todesproduktion
und die permanente Tötungsvorbereitung.

Frei werden wir
weder durch den Rückzug ins Private, ins “Ohne mich”,
noch durch Anpassung an die Gesellschaft,
in der Generäle und Millionäre besonders hoch geachtet werden.

Frei werden wir,
wenn wir aktiv, bewusst und militant für den Frieden arbeiten.


Dorothee Sölle, 1929-2003
...
Das ist eine lebensgefährliche Verwechslung,
wenn wir das Leben zurückrechtstutzen
auf das Machbare und das,
was sich konsumieren lässt.
Meine Tradition hat uns wirklich mehr versprochen!
Ein Leben vor dem Tod, gerechtes Handeln
und die Verbundenheit mit allem, was lebt,
die Wölfe neben den Lämmern und Gott nicht oben
und nicht später, sondern jetzt und hier.
Bei uns, in uns.


Dorothee Sölle, 1929-2003
Vor unseren Augen entstehen heute im Zuge von Deregulierung und Globalisierung der Wirtschaft neue Formen der Sklaverei. Heute sind die schlimmsten Verletzungen der Menschenrechte die Folgen der Weltwirtschaft. Schrankenloser Welthandel ist der neue Götze, der uns beherrscht!



Jean Ziegler, 2009
HUNGER IST KEIN NATURGESETZ

Wer verhungert, wird ermordet
Die Schlussfolgerung ist klar: Hunger ist kein unveränderbares Schicksal. Massensterben durch Hunger ist kein Naturgesetz. Es gibt objektiv keinen Mangel, der das tägliche Massensterben legitimieren könnte.

Alle Hunderte von Kindern, die... an Hunger sterben, werden ermordet. Einige Theologen stellen die mörderische Weltordnung an den Pranger. "Die besessene, schrankenlose Gier unserer Reichen, verbunden mit der Korruption der Eliten in den sogenannten sich entwickelnden Ländern, bildet ein gigantisches Mordkomplott (...) überall auf der Welt und Tag für Tag wiederholt sich der Kindermord von Bethlehem", schreibt der angesehene Theologe der Uni Zürich, Walter Hollenweg.

Und Dorothee Sölle stellte einst fest: "Die Realität wahrnehmen heißt, die weitergehende Kreuzigung Jesu in unserer Welt sehen. Heute hören wir die Geschichte, die täglich vor sich geht. Die Aufrüstung und der Hunger sind die beiden Arme des Kreuzes, an dem die Armen hängen."

Wo ist Hoffnung? Im Individuum, dem moralischen Imperativ, der in jedem von uns schlummert. "Ich bin der andere, der andere ist ich"...

Alle Kraft, alle Hoffnung, alle Liebe und alle Unendlichkeit sind in jedem von uns. Der französische Schriftsteller Georges Bernanos schreibt: "Gott hat keine anderen Hände als die Unseren." Entweder wir ändern diese Welt - oder sonst tut es niemand.




DIE BIBEL GEGEN ARMUT UND UNTERDRÜCKUNG


Leviticus 19, 13
Du sollst deinen Nächsten nicht ausbeuten und ihn nicht um das Seine bringen. Der Lohn des Tagelöhners soll nicht über Nacht bis zum Morgen bei dir bleiben.

Kohelet 5, 9
Wer das Geld liebt, wird des Geldes nicht satt; und wer den Reichtum liebt, nicht des Ertrages.

Amos 2, 6
6 So spricht der HERR: Um drei, ja um vier Frevel willen derer von Israel will ich sie nicht schonen, weil sie die Unschuldigen für Geld und die Armen für ein Paar Schuhe verkaufen. 7 Sie treten den Kopf der Armen in den Staub und drängen die Elenden vom Wege.
Amos 8, 4 - 6
4 Höret dies, die ihr die Armen unterdrückt und die Elenden im Lande zugrunde richtet
5 und sprecht: Wann will denn der Neumond ein Ende haben, dass wir Getreide verkaufen, und der Sabbat, dass wir Korn feilhalten können und das Maß verringern und den Preis steigern und die Waage fälschen,
6 damit wir die Armen um Geld und die Geringen um ein Paar Schuhe in unsere Gewalt bringen und Spreu für Korn verkaufen?

Micha 6, 8 - 15
8 Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
9 Des HERRN Stimme ruft über die Stadt - wer deinen Namen fürchtet, dem wird's gelingen -: Höret, ihr Stämme und Ratsleute!
10 Noch immer bleibt unrecht Gut in des Gottlosen Hause und das verfluchte falsche Maß.
11 Oder sollte ich unrechte Waage und falsche Gewichte im Beutel billigen?
12 Ihre Reichen tun viel Unrecht, und ihre Einwohner gehen mit Lügen um und haben falsche Zungen in ihrem Halse.
13 Darum will auch ich anfangen, dich zu plagen und dich um deiner Sünden willen wüst zu machen.
14 Du sollst essen und doch nicht satt werden. Und was du beiseite schaffst, wirst du doch nicht retten; und was du rettest, will ich doch dem Schwert preisgeben.
15 Du sollst säen und nicht ernten; du sollst Öl keltern und dich damit nicht salben und Wein keltern und ihn nicht trinken.

Jesus Sirach 13, 4 - 11
4 Der Reiche tut Unrecht und brüstet sich noch damit; aber der Arme muss es erleiden und sich dazu noch entschuldigen.
5 Solange du dem Reichen nützlich bist, lässt er dich für sich arbeiten; aber wenn du nicht mehr kannst, so lässt er dich fallen.
6 Solange du etwas hast, bleibt er bei dir, und es bekümmert ihn nicht, wenn er dir den Beutel leert.
7 Wenn er dich braucht, so täuscht er dich geschickt: Er lächelt dich an, verheißt dir viel, gibt dir die besten Worte und fragt: Brauchst du etwas?,
8 und lädt dich großzügig ein, um dich später zwei- oder dreimal auszunehmen, und verspottet dich noch zuletzt.
9 Und wenn er dann deine Not sieht, lässt er dich fallen und schüttelt den Kopf über dich.
10 Darum sieh zu, dass du dich nicht täuschen lässt 11 und deine Einfalt dich nicht ins Unglück bringt.

Jesus Sirach 34,24-27
Kärgliches Brot ist der Lebensunterhalt der Armen; wer es ihnen vorenthält, ist ein Blutsauger. Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt; Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält.


Matthäus 20, 25 - 28
25 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun.
26 So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener;
27 und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht,
28 so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Lukas 18, 22 - 25
22 Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!
23 Als er das aber hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich.
24 Als aber Jesus sah, dass er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes!
25 Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.

Apostelgeschichte 2, 44 – 45; 4, 32
44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.
45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte.
32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.









Bund der Religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands e.V.

gegründet 1919/1926, Mitglied der International League of Religious Socialists, der Initiative Kirche von unten, des Attac-Netzwerks, von Oikocedit und Kairos Europa
Infos über Veranstaltungen, Publikationen und Mitgliedschaft unter

www.BRSD.de.


DOWNLOAD:

Zehn Wege.PDF













LINKS









www.kirchgemeinde.ch/kg/resos/



www.avaaz.org/de/the_world_vs_wall_st/?vl

www.unzensuriert.at/content/005315-Island-befreit-sich-aus-den-Klauen-der-Finanzmafia

www.peterdebaer.de