Die Botschaft
Was immer du getan, mir angetan hast, du liegst mir am Herzen, spricht Gott:
Nicht was du getan hast, rechtfertigt dich, sondern dass du gewollt warst;
deine Daseinsberechtigung wird nicht zurück genommen.
Dass Gott die Menschen gerecht macht, heißt nichts anderes, als dass er denen, die ihm vertrauen, gibt, was sie nicht haben, sie zu etwas macht, was sie nicht sind.
Gott hat jeden einzelnen Menschen geschaffen, er begleitet und empfängt ihn!
Der gute Hirte
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Räuber.
Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe.
Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus.
Und wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme.
Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht.
Dies Gleichnis sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was er ihnen damit sagte.
Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.
Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht.
Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.
Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht - und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -,
denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.
Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
Warum musste Jesus sterben?
Was kann Jesu Tod dazu beitragen, den bösen Mächten ihre Macht über uns zu nehmen? Wir werden es verstehen, wenn wir uns klarmachen, wer und was Jesus an das Kreuz gebracht hat und wie er seinen Weg bis zu seinem Tod am Kreuz gegangen ist. Beginnen wir mit der Frage, wessen er überhaupt angeklagt und warum er verurteilt wurde: Weil er eine Welt ausgerufen hat, in der nicht mehr das gelten sollte, was die politisch, militärisch und finanziell Starken erzwangen und die Hüter der Religion anordneten. In der Welt, die Jesus verkündete, sollten nicht mehr die spitzeren Ellenbogen und die rücksichtsloseren Verhandlungsspezialisten herrschen. Auch Recht und Gerechtigkeit sollten nicht mehr von den raffinierteren Juristen bestimmt werden. Der Wert des Menschen sollte nicht mehr von seinem Bankkonto abhängen. Jesus hat vielmehr eine Welt eröffnet, die ganz schlicht von Gottes Liebe erfüllt und getragen ist und aus der Kraft dieser Liebe gestaltet wird. Durch diese Botschaft sahen die Vertreter der jüdischen Religion und der römischen Staatsmacht ihre Weltordnung bedroht und ihre Machtpositionen in Frage gestellt. Zu Recht! Und deshalb musste Jesus beseitigt werden – so schnell wie möglich. Es fällt auf, dass weder der jüdische Hohe Rat noch der römische Statthalter als besonders bösartige Exemplare der Gattung Mensch dargestellt werden. Sie handeln in ihren jeweiligen Positionen so, wie es jeder tut, der aus jener eigensüchtigen Grundhaltung lebt, die der Apostel Paulus als den „alten Menschen“ oder Luther als den „alten Adam“ bezeichnet.
Jesu Weg zum Sterben als Zeugnis des neuen Lebens
Die Gewaltbereitschaft, die mir der Grundhaltung des alten Adam in uns angelegt ist, vermochte es wohl, Jesus nach den Gesetzen dieser Welt zu töten. Sie vermochte es aber nicht, Jesus von jenem neuen Weg abzubringen, den er vorlebte und verkündete: den Weg der Liebe aus der Gemeinschaft mit Gott. Wofür Jesus gelebt hat, dafür ist er auch gestorben. Die Evangelien zeugen, dass Jesus diesen Weg der Liebe selbst in den ihm zugefügten tiefsten Erniedrigungen durchhält. Als er verhöhnt und geschlagen und als Verbrecher zum Tod verurteilt am Kreuz hängt, da verflucht er seine Ankläger, seine Peiniger und seine Henker nicht, sondern er bittet für eben diese Menschen: „Vater, vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Luk. 23, 34) Zugespitzter und konkreter kann man nicht zum Ausdruck bringen, was es heißt, dass der in Jesus erschienene neue, aus der Liebe lebende Mensch den alten, von der Sünde beherrschten Menschen überwunden hat. In äußerster Verdichtung verdeutlicht diese Szene, was es heißt, nicht mehr in den Zwängen der menschlichen Schuld gefangen, sondern zu einem Leben aus dem Geist der Liebe frei zu sein.

Liebe Leser,
diese Andacht soll von etwas Fröhlichem handeln.
Ich möchte ein paar Gedanken weitergeben von dem, was das Zentrum
unseres Christseins ausmacht, nämlich der Tod und die Auferstehung
Jesu. Jetzt kann jemand einwenden: Das ist doch nichts Fröhliches. Es
wird sich jedoch zeigen, dass dem so ist. Bei dem Tod Jesu handelt es
sich nicht bloß um ein Ereignis, das vor sehr langer Zeit stattgefunden
hat und mit meinem eigenen Leben als Christ nichts zu tun hätte. Wenn
wir "in Christus" leben, wie es Paulus gerne ausdrückt, dann haben wir
Anteil am Schicksal Christi. Wir sind mit Christus gestorben (Röm. 6).
Unser altes Leben hat Christus mit in seinen Tod hinuntergerissen.
Nicht nur gestorben sind wir mit Christus, sondern wir sind auch mit
ihm auferweckt zu einem neuen Leben, das sich total von einem Leben
ohne Christus unterscheidet.
An einem Vers aus dem 2. Korintherbrief
möchte ich noch etwas genauer erläutern, was das für uns persönlich
bedeutet. In Kapitel 5 Vers 17 heißt es: "Ist jemand in Christus, so
ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist
geworden."
Angesprochen in diesem Vers sind diejenigen, die "in
Christus" sind. Es sind also diejenigen, die von neuem geboren sind und
nun im Glauben eine neue Identität in Christus gefunden haben. Gott hat
uns in Christus in eine neue Realität hineingestellt. Das Alte, unser
Leben der Sünde in Form von Diebstahl. Mord, falsch Zeugnis reden und
dergleichen mehr ist vom Tod Christi verschlungen und hat keine
Berechtigung mehr. Ich muss diesem alten Leben keinen Gehorsam mehr
leisten, auch darf mich die vergebene Sünde der Vergangenheit nicht
mehr anklagen. Ich darf nun glauben, dass aus mir etwas ganz anderes
geworden ist als das, was vorher war. Und ich darf glauben, dass ich
von Gott in Christus geliebt bin.
Wie leicht schenken wir anderen
Aussagen Glauben, die der neuen Realität in Christus widersprechen.
Gerade wenn wir die Erfahrung machen, von der Sünde immer wieder
eingeholt zu werden, dann sind wir versucht, die Wahrheit von der neuen
Kreatur in Christus in Frage zu stellen. Dieser Wahrheit stehen
Gedanken entgegen wie: Diese oder jene Sünde kann Gott mir nicht
verzeihen. Er kann mich so nicht annehmen, oder noch manch andere
Gedanken mehr.
Nein, die Schrift sagt etwas ganz anderes und spricht
Dir zu: Du bist eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen. In der
Gewissheit des Glaubens an diese kostbare Wahrheit darf ich getrost
alles abweisen und beiseite stellen, was ihr entgegensteht. Nur in
dieser Wahrheit der Schrift finde ich Trost und Ruhe. Darin werde ich
fröhlich. Darum ist sind Tod und Auferstehung Jesu in der Bedeutung für
mein persönliches Leben eine fröhliche Angelegenheit.
Der Römerbrief 1922 (Kommentar)
Karl Barth schreibt in seinem Buch über den Römerbrief:
„Diese Welt in ihrer Einheit mit Gott begreifen zu wollen, ist entweder sträflicher religiöser Übermut oder letzte Einsicht in das, was jenseits von Geburt und Tod wahr ist, Einsicht von Gott aus. Der religiöse Übermut muss verschwinden, wenn die Einsicht von Gott aus platzgreifen soll. Solange falsche Münzen umlaufen, sind auch die echten verdächtig. Die Heilsbotschaft bietet die Möglichkeit letzter Einsicht. Aber zu ihrer Verwirklichung muss sie alle vorletzten Einsichten außer Kurs setzen...
Das Nein, das uns entgegentritt, ist das Nein Gottes.... Was alle Weltwahrheit aufhebt, das ist auch ihre Begründung. Gerade weil Gottes Nein! ganz ist, ist es auch sein Ja! So haben wir in der Kraft Gottes den Ausblick, das Tor, die Hoffnung. Und damit die Richtung des schmalen Wegs auch in dieser Welt, die Möglichkeit, immer den nächsten kleinsten Schritt in „getroster Verzweiflung“ (Luther) zu gehen. ...
Die Heilsbotschaft fordert Glauben. Nur für den Glaubenden ist sie „Kraft Gottes zur Errettung“. Ihre Wahrheit ist also nicht direkt mitzuteilen und nicht direkt einzusehen. ...
Ist Christus wahrer Gott, so muss er in Unkenntlichkeit sein. „Die direkte Kenntlichkeit ist gerade für die Götzen charakteristisch“ (Kierkegaard). Kraft Gottes zur Errettung ist etwas so Neues, so Unerhörtes und Unerwartetes in dieser Welt, dass es in ihr nur als Widerspruch auftreten, vernommen und angenommen werden kann. Die Heilsbotschaft erklärt sich nicht und empfiehlt sich nicht, sie bittet nicht und unterhandelt nicht, sie droht nicht und verspricht nicht. Sie verweigert sich selbst überall da, wo sie nicht um ihrer selbst willen Gehör findet.
„Der Glaube richtet sich auf unsichtbare Dinge. Damit also Gelegenheit für den Glauben ist, muss alles, was geglaubt wird, verborgen sein. Es wird aber am tiefsten verborgen, wenn es dem Augenschein, den Sinnen und der Erfahrung gerade entgegengesetzt ist... (Luther)“.
wer Gott vertraut, Gott selbst und Gott allein, d.h. wer die Treue Gottes darin erkennt, dass wir in den Widerspruch zum Da-Sein und So-Sein dieser Welt versetzt sind, wer diese Treue mit Gegentreue erwidert, wer mit Gott DENNOCH! sagt und TROTZDEM, der glaubt.
...
Eben darum ist der Glaube niemals identisch mit der „Frömmigkeit“, und wenn sie die reinste und feinste wäre. Und insofern „Frömmigkeit“ als ein Merkmal des Glaubensvorgangs ist, ist sie es als Aufhebung anderer Weltgegebenheiten – vor allem aber offenbar als ihre eigene Aufhebung.
Der Glaube lebt aus sich selber, weil er aus Gott lebt. Das ist das „Centrum Paulinum“ (Bengel).“ Zitat Ende

