Der Inhalt des Glaubens
Auf Dich hin hast Du uns geschaffen,
und unruhig ist unser Herz
bis es Ruhe findet in Dir.
Geheimnis des Glaubens
Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,
und Deine Auferstehung preisen wir,
bis Du kommst in Herrlichkeit.
Was macht den christlichen Glauben aus?
Gemeinschaftliches Leben
Zunächst ist der Begriff Religion nicht sehr hilfreich, um den christlichen Glauben in seiner Einzigartigkeit zu beschreiben, auch wenn er einen „religiösen“ Aspekt hat, weil es sich um die Beziehung mit dem Absoluten handelt, das wir allgemein Gott nennen. Handelt es sich also um eine Form von Spiritualität? Ja, in dem Sinne, dass sie einen persönlichen Weg darstellt, der durch das Eintauchen in den Sinn und die Hingabe der Existenz gekennzeichnet ist. Jedoch ist dieser Weg nicht allein dem individuellen Willen überlassen, er ist keine Ansammlung von Elementen, die ein jeder nach seinem persönlichen Interesse zusammenstellt. Weit entfernt davon, ein Umherirren zwischen den Überresten der spirituellen Traditionen der Menschheit zu sein, handelt es sich um Nachfolge, eine Pilgerreise auf den Spuren Christi, die den Pilger zu sich selbst und mit allen Menschen in eine neue Beziehung setzt, insbesondere verbunden mit denen, die sich auf demselben Weg befinden.
Ist der christliche Glaube also ein gemeinschaftliches Leben? Diese Definition stimmt mit dem Leben der Urchristen überein, wie es im Neuen Testament beschrieben ist. Es muss hinzugefügt werden, dass sich so ein gemeinschaftliches Leben nicht nur in bloßem Zusammenleben (in räumlich begrenztem Wohnraum) erschöpft, sondern dass seine Wurzeln bei Gott liegen; es bedeutet im wesentlichen Teilhabe am Leben Gottes, ein Leben, das Liebe und damit Leben für die anderen ist. Auch wenn es in der Realität nicht vollkommen ist, ist es von Anfang an per se inklusiv, universell, bezieht praktisch jeden Menschen mit ein. In diesem Sinne sind die Grenzen der christlichen Gemeinschaft ein für alle Mal eben nicht festgeschrieben, sondern sie fallen letztlich mit der gesamten Menschheitsfamilie, der gesamten Schöpfung zusammen.
Als Quintessenz lässt sich der Glaube an Jesus Christus als das im tatsächlichen Leben verwirklichte Angebot beschreiben, also einer umfassenden Gemeinschaft in Gott. Sehen wir uns diese Definition genauer an:
1.
Die biblische Offenbarung in ihrer alles umfassenden Gültigkeit ist durch eine Umkehrung der Perspektive gekennzeichnet.
Der christliche Glaube ist nicht von Menschen geschaffen, sondern eine Einladung, die von Gott kommt. Das war schon damals bei Israel der Fall: Die Identität dieses Volkes gründete sich nicht auf geographische Kriterien oder auf Abstammung, sondern auf die freie Erwählung eines geheimnisvollen und transzendenten Gottes. Dieses verstärkt sich noch mit dem Kommen Jesu Christi. Für seine Jünger – und hier haben wir eine Situation, die bei fast allen Religionsstiftern bzw. Gründern von Schulen der Spiritualität anders ist – war Jesus kein Mann, der unerwartet von göttlicher Macht erwählt wurde oder der mit Müh und Not eine Erleuchtung erreicht hatte, er ist weder Prophet noch Meister der Weisheit, noch Philosoph oder Seher.
Mit IHM, in IHM, durch IHN - bei IHM selbst - in seiner eigenen Person , so überraschend einfach das auch erscheinen mag, i s t die Quelle des Lebens, die uns entgegen kommt.
Wenn der christliche Glaube ein Angebot des Absoluten ist, liegt die Rolle der Menschen vor allem darin, die Einladung anzunehmen und darauf zu antworten. Es fällt nicht den Menschen zu, die Umrisse dieser Einladung zu bestimmen. Und wenn Gott durch Christus dazu aufruft, ein gemeinschaftliches Leben zu führen, bezieht sich sein Ruf auf die persönlichste Dimension des Menschen... er versucht, in ihm eine Freiheit zu wecken. Alles Gründe, weshalb ein solches Angebot das genaue Gegenteil eines Zwanges ist. Jeglicher Versuch, es durch offene oder versteckte Mittel zu erzwingen, geht wider seine Natur. Gott will uns nicht überreden und seine Wahrheit spricht für sich selbst.
2.
Die christliche Botschaft ist ein Angebot, das sich in der Realität vollzieht. Das heißt, eine in unserer Gegenwart wirksame, erwirkte und nicht theoretisch abstrakte Einladung, die im übertragenen Sinne nur symbolisch gemeint sein könnte. Es geht vorrangig nicht um Ideen, um das richtige Verständnis intellektueller Wahrheiten. Theologisch ausgedrückt ist unser christlicher Glaube keine Gnosis. Alles, was wir glauben hat auch psychische und ebenso physische Auswirkungen – Gedanken, Worte und Taten sind gerade das Zielgebiet unserer Überzeugung und das Alltagsleben ist nicht irgendwie ausgeklammert.
FÜR DICH: Wie Jesus lebte und starb, hat er das Wesentliche seiner Botschaft ständig durch seine Worte und Taten deutlich gemacht. So macht der Jünger sein Leben, ihm gleichend, zur Botschaft. Wie es Paulus ausdrückt, hat Christus sein Leben für alle gegeben, „damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde“ (2. Korinther 5, 15). Diese Existenz „für Christus“ kommt in der Existenz „für die anderen“ zum Ausdruck. So gelangen wir durch sein Vorbild zum Vorrang des gemeinschaftlichen Lebens in gegenseitiger Teilhabe und Einigkeit, das heißt Hilfeleistung und Verzeihung, Stärkung und Zuspruch, Lob Gottes.
Fazit: Das Christentum ist vielleicht in der Hinsicht einzigartig, dass es keinen Widerspruch zwischen Lehre und Praxis zulässt, darin besteht sein Wesensgehalt:
Die Lehre ist mit der Praxis identisch!
Denn es geht in beiden Fällen um Gemeinschaft mit Gott u n d mit den Menschen. Wenn die Christen keine brüderliche Liebe üben, wenn die Kirchen in Gleichgültigkeit oder gegenseitiger Konkurrenz verharren, ist all ihre Predigt nur toter Buchstabe.
Text frei nach Frère John
(Übersetzung überarbeitet durch die Redaktion, R.B.)
Gebet
Gott des Lebens, du willst nicht, daß wir für uns selbst leben. Wir sind dankbar für die Menschen, mit denen du uns verbunden hast. Schenke uns verlässliche Freunde und Weggefährten. Lass uns eins werden in der Liebe miteinander und mit dir, durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
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Madeleine Delbrêl
Eine “christliche Mentalität” genügt nicht mehr
Madeleine Delbrêl akzeptiert nicht, daß eine atheistische Umgebung von vornherein nichts anderes als eine Gefahr für den Glauben darstellen soll. Allerdings: was tatsächlich in Gefahr gerät, ist ein Glaube, der gar nicht (mehr) er selber ist. Eine Haltung, die sie “christliche Mentalität” nennt: “Man hängt sich an besondere Moralvorstellungen, unterwirft sich politischen Optionen, nimmt einen bestimmten Lebensstil an und betrachtet all das als Verpflichtungen des christlichen Lebens.” Der Glaube ist dann unmerklich zu einem Ausdruck bürgerlicher Kultur geworden, zu einer Weise, “anständig zu leben”.
Eine solche Haltung kann aber den Herausforderungen einer säkularisierten Umgebung nicht standhalten - geschweige denn, daß sie für deren Evangelisierung tauglich wäre. Gerade deshalb sieht Madeleine aber im Dialog mit Nichtchristen eine besonders günstige Voraussetzung dafür, im wahrsten Sinne auf den Boden des Glaubens zu kommen. Ihre atheistischen Freunde und Freundinnen zwingen sie nämlich dazu, daß sie sich selbst die Frage stellt, die auch unausgesprochen überall an sie herangetragen wird: “Wozu ist der Glaube gut?” Ist er nicht ein Relikt der abendländischen Geschichte, sind die Christinnen und Christen am Ende vielleicht nichts anderes als “lebensverneinende und lebensfeindliche Idealisten?”
Wer sich dieser Frage ernsthaft stellt, ist - so Madeleine Delbrêls Erfahrung - gezwungen, zum lebendigen Gott hin umzukehren, zu Gott als einem Freund der Menschen, der alle falschen Bilder und alle eigenmächtigen Konzepte - gerade die geistlichen - korrigiert.
“Der Kontakt mit den Kommunisten und ihrem Materialismus stellt uns das wirkliche Leben und was es für uns ist vor Augen und ruft es uns in die Ohren” - davon läßt sie sich betreffen. Und wenn andererseits feststeht, daß das Evangelium dazu da ist, “das Buch unseres Lebens zu werden” , dann muß sich für sie jede kirchliche Praxis daraufhin befragen lassen, ob sie eine Lebensäußerung ist und Leben vermittelt - oder eher ein Festhalten am status quo.
“Wenn wir versuchen, einfach nur den Glauben zu bewahren, einfach nur Christen zu bleiben, verkümmert unser Glaube meist - und meist bleiben wir gerade dann keine echten Christen mehr. Denn der status quo scheint uns, von nahem betrachtet, die tödlichste Einstellung zu sein - vielleicht, weil er in bezug auf den Glauben sozusagen gegen die Natur ist.”
Was aber ist dann die wahre Natur des Glaubens? Für Madeleine ist es der Realismus einer Liebe, die ernst macht mit der Einheit von Gottes- und Nächstenliebe; die sich in jeder neuen Situation verleiblicht in einem “Glas Wasser, Brot für die Hungrigen, Obdach für die Obdachlosen,... Solidarität mit allen, die ohne Rang und Namen sind, die im Dunkeln stehen.”
Deshalb spricht sie vom Glauben als einem “Realismus”, als einer “praktischen Wissenschaft”, als dem “Gewußt-wie des Lebens, und zwar heute und hier.”
Daß alle Getauften zu diesem Fundament ihres Glaubens durchstoßen - mitten im Alltag, im Leben der “Leute von der Straße”, wie sie gerne sagt - das ist für Madeleine Delbrêl die erste und wichtigste Voraussetzung, um in einer säkularisierten Umgebung leben und den Glauben weitergeben zu können. Der Unglaube anderer ruft dazu auf, das Evangelium ungeteilt zu empfangen und weiterzugeben; die volle geistliche Kompetenz wahrzunehmen, die jedem Christen und jeder Christin von Gott selbst gegeben und in der Taufe besiegelt ist.
“Wir Leute von der Straße”
Wie hat Madeleine Delbrêl nun die Weitergabe des Glaubens praktiziert - in einer Umgebung, die sich dafür gar nicht interessierte?
Ganz entscheidend war für sie, von Gott nicht in Formeln und “großen Worten” zu sprechen. Sie ist zunächst einmal - wie Jesus Christus - Zeitgenossin der Menschen geworden.
“Was wir suchten, was ich wollte, war die Freiheit, in Tuchfühlung mit den Männern und Frauen der ganzen Erde und mit unseren jeweils gegebenen Nachbarn zu leben, die Jahre unserer gleichen Kalender und die Stunden unserer gleichen Uhren hindurch. ... Ein Leben der Leute von der Straße; ein Leben der ganz Kleinen; ohne Einfluß auszuüben, ohne viel Aufhebens zu machen, ohne nach Erfolg und irgendeiner Macht zu streben, ohne den Wunsch, bekannt zu werden und irgend etwas zu bewirken.”
In diesen Sätzen klingt eine tiefe Grundhaltung an, mit der Madeleine auf Menschen zuzugehen versuchte: der Verzicht auf Macht, auf Besserwisserei, auf die scheinbare Sicherheit, im Besitz einer Wahrheit zu sein, zu der hin die anderen erst noch bekehrt werden müssen. Denn die Christen und Christinnen sind nicht weniger auf Erbarmen angewiesen als andere auch. Erst auf dem Boden einer solchen Demut hält Madeleine es für fruchtbar, in alltäglichen Kontakten eine Weise zu finden, wie von Gott als der Quelle des Lebens gesprochen werden kann.
“Wir sollten dabei aber auch wissen, wie unangepasst unser theoretisches Vokabular ist, in dem zumeist die menschlichen Grundlagen eines ‘Gottglaubens’ formuliert werden. Dieser ist uns oft genug in einer toten Sprache ausgedrückt worden, und genauer in einer Sprache, die nicht auszudrücken weiß, was in der heutigen Welt die Spuren Gottes sind. Hier ist eine ganz unscheinbare Geistesarbeit nötig, auf die die Verkündigung nicht verzichten kann.”
Diese Geistesarbeit - oder Arbeit der Übersetzung - besteht für Madeleine dann in erster Linie darin, Worte, Zeichen und Gesten für die Botschaft von neuen Lebensmöglichkeiten zu finden - von Angesicht zu Angesicht. So wie Jesus Christus einzelne Menschen voll Liebe angeschaut und beim Namen gerufen hat, so besteht die Evangelisierung vor allem in einer personalen Begegnung von Mensch zu Mensch, in der Sprache des Herzens und der Güte, die die Sprache Jesu ist.
Madeleine Delbrêl (1904-1964)
Auszug, Annette Schleinzer, Katholikentag 2004
Jesus von Nazareth
Jesus Christus ist für die Christen der Sohn Gottes, der ans Kreuz geschlagen wurde und wieder auferweckt worden ist und damit auch alle Menschen befreit hat. Christen feiern die Tat Gottes als ein
universelles und kosmisches Ereignis.
Doch wer war Jesus? Was weiß man über ihn? Welche Geheimnisse umhüllen sein Leben und seinen Tod? Das Evangelium von Jesus Christus nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes gibt ausführlich Zeugnis. (Link)
Geheimnis Christi
Die Grundlage des Glaubens der Christen ist die leibhaftige und tatsächliche Auferstehung Jesu Christi vom Tod. Die Apostel bezeugen die Begegnung mit dem wirklich leiblich Auferstandenen und verwandelten Jesus und sehen darin den endgültigen Sieg Gottes über die Macht des Todes und des Bösen.
Durch diese Tat Gottes wird auch unsere Befreiung von bösen Mächten und letztlich dem Tode bewirkt. Jesus hat den Menschen ein neues Sein und die Heimat bei Gott in Herrlichkeit und Frieden versprochen.
Der Apostel Paulus verteidigt die christliche Botschaft von der leiblichen Auferstehung und grenzt sie gegen die rein menschlichen Erklärungen und Bestrebungen ab.
(Gegen die "Gnosis" - siehe 1. Kor. 15)
Gnosis = Dualismus, Schöpfergott ist ein anderer als der Erlösergott, heidnischer Geisterglaube und Selbsterlösungs-Ideologien. (Die Inhalte überschneiden bzw.decken sich auch mit Esoterik, Antroposophie und Theosophie.)
Glauben und Wissen
So mancher denkt, der Glaube habe nichts mit Wissen zu tun. Manche meinen sogar, Glaube sei gleichzusetzen mit Unwissen oder Nichtwissen. Stimmt das wirklich? Beschäftigen wir uns mit dem Verhältnis von Glauben und Wissen, dann sehen wir bald, dass es so nicht stehen bleiben kann. Der Glaube wird durch das gesprochene und gelesene Wort Gottes geschöpft und genährt.
Unser Wissen über den Glauben setzen wir oft vorschnell mit den Kenntnissen aus einem bestimmten Katechismus gleich. Ein Wissen, das von Menschen stammt, zusammengetragen und vor langer Zeit zu Papier gebracht worden ist. Nicht immer unterhaltsam und spannend zu lesen... Aber woher kommen denn diese Gedanken?
Und weiter, noch
viel bedeutungsvoller werden wir heute zu fragen haben: "Was hat denn
unser Leben, unsere eigene Erfahrung mit Gott zu tun?"
Viele
Menschen suchen Gott, indem sie ihn als Teil seiner Schöpfung entdecken
wollen.
Doch Gott ist nicht Teil der Schöpfung und Gott ist nicht mit
der Schöpfung identisch,
wie es manche meinen. Gott war und ist
immer der Herr der Schöpfung, sie umfassend, ausschöpfend,
durchdringend, und doch weit mehr als die Werke seiner Hände, ungreifbar
fern einer Welt, die sich ihm entfremdet hat, ungreifbar fern - und
doch stets gegenwärtig und zugewandt!
Die Bibel macht ganz
klar: All unsere Wissenschaft wird Gott nicht finden können! Gott selbst
hat entschieden, wo er sich uns zeigen will! Gott zeigte sich zuerst
durch die Schriften des Alten Testaments, durch die Gebote von Recht und
Menschlichkeit, die an unser Gewissen und Rechtsgefühl appellieren!
Gott zeigte sich durch die Worte der Propheten, die von Heilung und
Erlösung reden, und die unsere Hoffnungen und tiefsten Bedürfnisse
ansprechen!
Und Gott zeigte und zeigt sich bis heute in jenem
Menschen Jesus von Nazareth,
seinem als Mensch geborenen Sohn, mit
dem er uns seine Liebe schenkt!
Gott ins Herz blicken
Sorgen Sie sich nicht darum,
wenn Sie Gott nicht beweisen können! Grübeln Sie nicht über ungelöste
Probleme und Hindernisse auf ihrem eigenen Lebensweg. Sorgen Sie sich
nicht, wenn Sie auf eine Antwort oder eine Erklärung warten. Gott hört
Sie bestimmt!
Sorgen Sie sich nicht, wenn er auf ihre Experimente nicht
reagiert, die Hilfe ist schon unterwegs! Gott hat viel von sich selbst
offenkundig gemacht! Sie können sich Gott anschauen, sie können ihn in
Ruhe betrachten, über ihn nachdenken und nachsinnen!
Gott
möchte sich Ihnen in Jesus Christus zeigen. Die Bibel ermöglicht es uns
heute, Gott direkt ins Angesicht zu sehen, und ihm tief ins Herz zu
schauen!
Suchen Sie persönlichen Kontakt zu Christen.
Beginnen Sie mit ihnen gemeinsam, eines der Evangelien zu lesen und
durchzusprechen, um Jesus Christus besser kennenzulernen!
Gebet des Herrn - moderne Fassungen
Du, Gott, bist uns Vater und Mutter,
diese Welt und der ganze Kosmos sind dein Haus.
In deinem Namen
liegt der Sinn unseres Glückes und aller unserer Mühen.
Hilf uns, heute, hier und jetzt anzufangen und
durchzuhalten beim Bau deines Reiches.
Nimm unser Herz und Gemüt
und mache sie zu Werkzeugen deines Willens.
Gib Brot durch unser aller Hände und durch unser aller Wort.
Reinige uns und unsere Herzen.
Schaffe Einsicht zum allseitigen Friedensschluss unter uns,
damit wir gemeinsam glücklich neu anfangen können.
Lass uns achtsam und ehrfurchtsvoll leben
in der Gewissheit deiner Nähe und deines Sieges.
Bewahre uns davor zu sagen, es hat alles keinen Sinn.
In dein Reich werden wir eingehen,
deine Kraft setzt allen Mächtigen ihr Ende,
in deiner Herrlichkeit werden wir dich fortwährend und ohne Ende schauen. Amen
Das Vater unser (nach der aramäischen Urfassung)
Unser Vater, himmlischer du,
was du bist, das gelte,
was du wirkst, das komme,
was du willst, geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser Brot für morgen gib uns heute.
Und laß uns nach, was wir verschuldet,
wie auch wir hiermit nachlassen denen,
die sich uns verschuldet.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern entreiße uns dem Bösen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen
nachlaßt, wird euer Vater, der himmlische,
auch euch Nachlaß erteilen.
Wenn aber ihr den Menschen nicht nachlaßt,
wird euch euer Vater nicht nachlassen eure Verfehlungen (Mt 18,35).
(Eugen Drewermann)
Das mystische Vaterunser
Du Strahlende, Du Strahlender,
Schöpferin und Schöpfer des Universums;
lass mich Dein Wesen erkennen
und Deine Liebe erfahren.
Ich sehne mich nach Einheit,
bitte fuehre mich in Dein göttliches Reich.
Hilf mir, in Übereinstimmung mit der Natur des Universums zu leben
und
schenke mir jeden Tag aufs neue dessen ganze Fülle.
Führe mich in meinen heilen Ursprungszustand zurück,
wie auch ich meine Verletzungen Dir überlasse.
Bitte befreie mich von meinen Illusionen,
so dass sie mich nicht irre führen.
Aus Dir stammt die Energie, die alle Herrlichkeit schafft,
erhält und immer wieder erneuert.
Dies ist der Boden, auf dem etwas Besonderes wachsen wird,
denn wahrhaftig, dieses Gebet hat Kraft. Amen.
Das Vaterunser
Vater unser im
Himmel,
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille
geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib
uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben
unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern
erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Glaube,
Hoffnung, Liebe
Glauben
heißt
nicht Wissen(schaft) und Glaube verlässt sich nicht auf die Sachen, die
jeder
sehen kann. Glauben heißt Vertrauen. Der Glaube ist das große Thema der
Bibel. Die Geschichte beginnt auch mit dem Glauben der Erzväter. Der
Glaube ist mit der Hoffnung und der Liebe eng verbunden. Es heißt, nur
die Liebe sei noch größer (schreibt der Apostel Paulus).Jesus hat sehr viel über dieses Thema gesprochen: Der Glaube ist ein winziges Samenkorn, aus dem mal eine große starke Pflanze werden kann. Der Glaube kann Berge versetzen. Immer wieder hat Jesus die Menschen zuerst nach ihrem Glauben gefragt (ihre Zustimmung und das Vertrauen in ihn provoziert), bevor sichtbar und spürbar Veränderung, Heilung, etwas völlig Neues passiert ist:
Traust du mir zu, dass ich dir helfen kann?
So wird der Glaube zum Ausgangspunkt, zum Grundmotiv, zur Initialzündung. Alles, was folgt, das Heil und die Heilung, die reichen Geschenke Gottes, hat seinen Ursprung in diesem Moment, der selbst ein Geschenk Gottes ist. – (Was der Mensch dazu tun muss? Es ist wenig, doch entscheidend: nur sich Öffnen wie eine Muschel, nur Annehmen, was eh' schon da ist.)
Heinrich Giesen schreibt: Du fragtest die Kinder, als du sie segnetest, nicht nach ihrem Glauben. Deine Liebe ist fraglos. Errette uns von dem Irrtum, wir müssten erst glauben, dann erst könntest du etwas tun.
Kann das ein Mensch jemals verstehen?
Der Glaube weist über uns selbst hinaus, er übersteigt unsere Vorstellungskraft. Er weist auch über unsere Existenz hinaus. Der Zeitabschnitt und Ort, die Koordinaten unseres Lebens, das ist unsere Realität. Der Glaube verweist uns auf eine andere Wirklichkeit, die nicht weniger real ist, auf die Anwesenheit Gottes und sein Reich, das nahe herbeigekommen ist. So hat es Jesus gesagt und die Evangelisten überliefert, denn das sei die wirkliche Wirklichkeit. Das gilt heute genauso wie damals.
Was heißt denn Glauben, wenn Jesus fragt, ob ich ihm das alles zutraue?
Der Glaube hängt nicht von Dogmen ab, steht andererseits auch nicht allein im Raum oder hängt in der Luft. Nein, wir glauben... an jemanden! Jesus Christus ist die Person, der Angel- und Drehpunkt der Geschichte, der Mittelpunkt unseres Glaubens. – Wenn wir Angst haben, einsam oder enttäuscht sind, keinen Sinn mehr sehen... Im Glauben an Jesus finden alle unsere Sehnsüchte ihr Ziel, kommt unser Herz zur Ruhe. Wir bekennen, der Trost ist in Ihm nahe herbeigekommen.
Was bedeutet es, dass sich Glaube in Hoffnung und Liebe äußert?
Wenn auch der Ursprung unseres Glaubens unabhängig von Zeit, Ort oder irgendwelchen Verdiensten ist, manifestiert er sich spürbar in der heute und hier sichtbaren Dimension. Wir tragen Christus im Herzen und die Folge ist:
Unsere Gedanken, Worte und Taten sind es, die das verkörpern im wahrsten Sinne des Wortes. So schließt sich der Kreis: man kann es sehr wohl mit Händen fassen, mit Augen sehen, mit den Ohren hören und riechen, schmecken.... in unserem Alltag und mit allen Sinnen!
Wie denken heutige Christen über die Gegenwart Gottes?
Gott als Beziehungsreichtum
Der Mensch wird am DU zum ICH, schreibt der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (1878-1965). Und mit dieser These entwickelt er auch eine Theologie: Gott begegnet im anderen. – Dieser Grundgedanke entfaltet sich vielschichtig:
Beziehung zur Umwelt (Natur, Herkunft...),
Beziehung zu anderen Menschen,
Beziehung zur Kultur (Politik, Wirtschaft, Technik und Wissenschaft)
In all diesen Bereichen sind Menschen zugleich Gebende und Nehmende. Sie wachsen in eine bestehende Struktur hinein, verändern sich dabei und verändern zugleich die Verhältnisse, in die sie hineinwachsen.
Ein Klima des Wohlwollens und der Ermutigung.
Gott kommt dort zum Vorschein, wo Menschen durch ihr Beziehungsgeflecht freier, wahrhaftiger und liebesfähiger werden.
Gott, der Befreier
Unterdrückten ihre Würde und den Rechtlosen ein Stimme geben!
Angesichts des strukturellen Unrechtes, angesichts der Kolonialgeschichte und der andauernden Ausbeutung der Armen entwickelte sich – von allem in Lateinamerika – die Theologie der Befreiung. Die politisch-befreienden Tendenzen der Bibel sind neu bewertet: Der Auszug aus Ägypten, die Klage der Exilanten in Babylon, die Kritik der Propheten an Unrecht und Gewalt und nicht zuletzt die Sympathie Jesu für die Benachteiligten rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Der biblische Gott, der aus der Knechtschaft (dem Sklaventum) befreit, wird wieder entdeckt – und daraus erwächst Solidarität, Fantasie und Kraft zur Veränderung heutiger Verhältnisse.
Gott als der geheimnisvolle Grund des Lebens und der Welt
Warum haben Menschen ein Schicksal – die einen ein leichtes, die anderen ein schweres? Warum müssen wir sterben? Warum leben wir heute und nicht in einer anderen Zeit? Führt die Geschichte in bessere Zeiten oder in schlechtere? Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Warum ist das Leben ungerecht?
Derartige Fragen sind nicht durch vorschnelle Antworten oder Experimente zu erledigen.
Angesichts dessen sind einige Theologen zu einer Vorstellung von Gott gelangt, dass er Grund aller Fraglichkeit ist. Bei ihm werden wir uns bewusst, dass unser Leben unverfügbar, schicksalhaft und im Tiefsten unbegreiflich ist.
An Gott glauben hieße dann, in diese Unverstehbarkeit des Lebens einwilligen und hoffen, dass das Geheimnis der Welt, das Christen Gott nennen, gut ist.
nach Kaldewey / Niehl, Christentum Kompakt, S. 199 ff.
Prozesstheologie
Die Prozesstheologie ist weltweit eine der Strömungen systematischer Theologie. Sie hat sich vor allem in der englischsprachigen Welt im Anschluss an Alfred North Whitehead entwickelt, der eine ökologische Philosophie entworfen hat, die Strömungen der Postmoderne in einem anderen Licht erscheinen lässt, weil sie sowohl mit einem modernen naturwissenschaftlichen Weltbild vereinbar ist als auch die Gottesfrage integriert. Wirklichkeit wird in diesem Denken konsequent als kreativer Prozess von Ereignissen, und nicht mehr als statische Gegebenheit von Substanzen, begriffen. Dieses radikal andere Wirklichkeitsverständnis, das auf Kreativität und Relationalität baut, hat erhebliche Konsequenzen für die Vorstellung von Gott und für die zentralen Inhalte des (christlichen) Glaubens.
Der Begriff der Prozesstheologie umfasst:
Die Omnipotenz (Allmacht) Gottes wird neu definiert, Gott bedient sich nie des Zwangs zur Ausführung seines Willens, sondern überlässt die Welt der Selbstdeterminierung.
Die Wirklichkeit und das Universum definieren sich über Prozess und Veränderung, bestimmt durch willensfreie Individuen. (An diesem Punkt schafft die Prozesstheologie eine Verbindung mit modernen wissenschaftlichen Theorien. Zum Beispiel der Evolutionstheorie in der Biologie, die eben jene Veränderlichkeit des Lebens beschreibt.)
Gott beinhaltet das Universum, aber ist nicht identisch damit (Panentheismus).
Da Gott ein veränderliches Universum beinhaltet, ist er selbst in der Zeit veränderlich (d.h. von den Geschehnissen im Universum beeinflusst).
Der Mensch verfügt über keine subjektive (oder persönliche), sondern über eine objektive Unsterblichkeit, in welcher sein Leben für immer in Gott weiterlebt, der alles, was ist, beinhaltet.
Die Wohnung Gottes
Zwischen Immanenz
und
Transzendenz
Gottes
liegt die Transparenz,
das Durchscheinen Gottes in unserer
Wirklichkeit.
Spuren des Ewigen, Schritte des Gerechten,
Barmherzigen und Liebenden in unserer Welt...
durch mein Handeln und
meine Worte als Mensch in meinem Alltag.
(nach Leonardo Boff, südamerikanischer Befreiungstheologe)

(Walter Habdank)
Wo wohnt Gott?
Wo wohnt Gott? Er thront nicht über den Wolken.
Er ist dann gegenwärtig, wenn Du fröhlich den Tag beginnst
er
thront nicht über den Wolken
Er ist dort gegenwärtig, wo Du Deine Arbeit verrichtest
er thront
nicht über den Wolken
Er ist dann gegenwärtig, wenn Du freundlich mit Deinem Nachbarn
sprichst
er thront nicht über den Wolken
Er ist dort gegenwärtig, wo Du Deine Kinder und Freunde triffst
er
thront nicht über den Wolken
Er ist dort gegenwärtig, wo Du versuchst Gerechtigkeit und Frieden zu
stiften
er thront nicht über den Wolken
Er ist dann gegenwärtig, wenn zwei Menschen einander verzeihen
er
thront nicht über den Wolken
Er ist dort gegenwärtig, wo ihr anderen Menschen helft
er thront
nicht über den Wolken
Er ist dann gegenwärtig, wenn Du versuchst,
deinem Leben einen neuen Inhalt zu geben
er thront nicht über den
Wolken
Er ist dort gegenwärtig, wo ein Kind geboren wird
er thront nicht
über den Wolken
Er ist dann gegenwärtig, wenn ihr einander wohlwollt
er thront
nicht über den Wolken
Er ist dort gegenwärtig, wo Du versuchst Frieden zu stiften
er
thront nicht über den Wolken, denn es ist geboren Jesus, der Sohn!
er
thront nicht über den Wolken, denn es ist geboren die Liebe,
denn es
ist geboren die Freude, denn es ist geboren der Friede,
denn es ist
geboren die Gerechtigkeit,
er thront nicht über den Wolken, denn es
ist geboren Christus, der Herr!
Jesus Christus, Gottes Sohn?
Wer sich daran macht, die Gottessohnschaft Jesu begreifen zu wollen, wird sie nie erklären können, aber im Zuge dessen seine Botschaft besser verstehen lernen. Was immer schon Gotteslästerung gewesen sein mag, Christus hat es durchbrochen.
Inkarnation
Die Unmöglichkeit, Mensch zu sein und zugleich Gott, kann nur ein Geheimnis bleiben, das sich hartnäckig allen Erklärungen unseres Verstandes entzieht.
Zugegeben, dass Gott in Jesus Christus ganz Mensch war, der an einem Ort dieser Welt geboren wurde, aufwuchs und als Erwachsener zu den Menschen seiner Zeit gehörte, unter ihnen lebte und predigte: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.“, das ist zunächst unverständlich und bleibt uns äußerst geheimnisvoll; das erscheint uns gänzlich unfassbar, je mehr wir darüber nachdenken.
Fragen erlaubt
So wie auch seinerzeit die Jünger Jesus ungläubig ansahen: Was heißt das denn, daran zu glauben, dass der Gottessohn erschienen und auferstanden ist?
Das Faktum Jesus Christus, die Person, sein Leben, Sterben und Auferstehen, ist Zeichen und Mahnung, a l l e n Menschen in unserer Umgebung in solcher Weise zu begegnen, als stünde Christus nun selbst höchst persönlich vor uns!
Provokation
Das mag naiv klingen und Spott hervorrufen. Indem er unsere Gestalt annahm und die Menschen ohne Unterschied heilte, Barmherzigkeit übte, Liebe und Freundlichkeit verkündete, war Gott gegenwärtig und ist es ebenso bis heute. Nicht nur Vorbild, sondern anwesend, Jesus lebt! das reicht. Solo Christo, basta!
Führung des Heiligen Geistes
Geist der Unterscheidung
Geliebte, glaubet nicht jedem Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind. (1 Joh 4,1)
Prüfet alles, das Gute behaltet. (1 Thess 5,21)
Eure Liebe möge „je mehr und mehr reich werden in allerlei Erkenntnis und Erfahrung, dass ihr prüfen möget, was das Beste sei“ (Phil 1,9 f)
Jesus Christus spricht: Folge mir nach! und
Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist. (Mt 5,48)
Der Apostel Paulus schreibt: Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme. (1 Kor 11,1)
An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. (Matth. 7, 16.20; Gal. 5, 19 ff)
Für die Prüfung
der Unterscheidung
gibt es verschiedene Maßstäbe:
dein
gesunder Menschenverstand,
die Heilige Schrift,
dein Gewissen im
Hören auf Gott,
die geistliche Erfahrung großer Heiliger und
bewährter
Christen,
die Betrachtung der Früchte.
1. Tue alles aus Liebe!
2. Lerne dich und dein Leben gut kennen.
3. Ordne dein Leben!
4. Bleibe im Kleinen treu!
5. Bleibe konsequent auf dem erkannten Weg!
6. Konkretisiere deine Entscheidung im Apostolat!
7. Suche in allem die Treue zum Herrn!
8. Gehe nicht zu ungestüm voran!
9. Achte auf die Sehnsucht des Herzens!
10. Mach keine Abstriche!
11. Suche das Gespräch mit einem geistlichen Begleiter!
nach Ignatius von Loyola (von Michael Schneider, 1998)
Liebe - Kriterium zur Orientierung
Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich
Wahrheit ohne Liebe macht kritiksüchtig
Erziehung ohne Liebe macht widerspruchsvoll
Klugheit ohne Liebe macht gerissen
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch
Macht ohne Liebe macht gewalttätig
Ehre ohne Liebe macht hochmütig
Besitz ohne Liebe macht geizig
Glaube ohne Liebe macht fanatisch
(Loatse)
Dialektisches Denken
Dialektik der Liebe
Die Liebe ist ein naheliegendes Exempel für dialektische Überlegungen. Zwei Menschen verbinden sich und bleiben doch verschieden.
In seinem „Dialogischen Prinzip“ versteht
auch Martin Buber den Menschen als ein Beziehungswesen, das erst aus der
Begegnung mit dem DU erfährt, wer er oder sie selber ist, aber er geht
damit
viel offener um. Im Sinne der Dialektik sind ICH und DU etwas
verschiedenes,
„Gegensätze“ , als Individuen voneinander getrennt. Aber indem sie
einander
sprechend begegnen, überwinden sie diese Trennung, wenn auch nicht auf
Dauer,
so doch immer wieder. Für Buber lässt sich diese Dialektik aber nicht in
irgendetwas Höheres aufheben. Zwar wollen sich ICH und DU einerseits
innig
miteinander verbinden, andererseits wollen sie aber auch bei sich selbst
bleiben und ihre Eigenständigkeit bewahren. Mit einem solchen
Spannungsfeld
umzugehen, setzt voraus, dass man es denken kann, den für sich allein
genommen
ist beides zerstörerisch: Symbiose oder Egozentrik beschädigen die Würde
der
Partner und die Beziehung.
Das Denken entwickelt sich dialogisch, aber Dialektik ist nicht nur ein Verfahren des Gespräches. Die Wirklichkeit selbst hat etwas mit dem Hin und Her des Gesrpächs zu tun und muss daher dialogisch verstanden werden. Das beste Beispiel ist der Mensch selbst: Zwar lassen sich manche seiner Eigenschaften und Verhaltensweisen im Sinne der Ursachenforschung von Vorfahren und Erziehung ableiten, aber niemals das Ganze der Person. Der Mensch, dieses verschränkte Wesen aus Natur und Geist, aus Leiblichkeit und Bewusstsein, ist nur dialektisch zu fassen: Er ist Leib, aber nicht nur, er ist Geist, aber nicht nur. Nur mit zwei einander entgegengesetzten Aussagen, trifft man die Sache, und keine der beiden Aussagen kann für sich allein stehen. Sie brauchen sich gegenseitig, wenn nicht nur ein Teil, sondern das Ganze in Worte gefasst werden soll.
Dialektische Denken spielt auch in der christlichen Matrix eine entscheidende Rolle, weil der christliche Weltentwurf sonst in unverständliche Widersprüche zerfallen würde. Sichtbare und unsichtbare Welt, Gott und Mensch, Leben und Tod haben nur insofern miteinander zu tun, als man sie aufeinander bezogen denkt. Sie scheinen einander auszuschließen und bilden doch ein unbeschreibliches Ganzes – unbeschreiblich, weil die Mittel des Denkens und der Sprache nicht ausreichen. Aber es gibt einleuchtende Analogien: die Dialektik der Liebe und das Wesen der Menschen. So wie Leib und Geist im Menschen unlösbar miteinander verflochten sind, so auch Natur und Geschichte und zuletzt auch Gott und Welt. Nicht zufällig hat Nikolaus von Kues im 15. Jahrhundert Gott als das „Ineinanderfallen der Gegensätze“ (coincidentia oppositorum) beschrieben, als vorausgesetzte Einheit und Aufhebung aller Gespaltenheit der Welt. Aber wie das geschieht, um einer endgültigen Fülle Platz zu machen, das bleibt einem neuen Himmel und einer neuen Erde vorbehalten, die nicht Menschenwerk sein können. Mit dem dialektischen Denken kommt auch die Sprache an die Grenze ihrer Möglichkeiten und hat zugleich eine letzte Chance, vor dem scheinbar gegensätzlichen Aufbau der Wirklichkeit nicht zu verstummen.
Teilhabe
Das Bild von Gott schwankt.
Verborgen bleibt, was er vorhat, und er scheint gegen das Unheil der
Welt nichts unternehmen zu wollen. Zugleich erklärt er sich solidarisch
mit dem Protest dagegen. Die Freunde Hiobs, die nach Erklärungen suchen
und sich in die verzweifelte Suche nach einem Schuldigen verstricken,
werden zurechtgewiesen und sind doch in ihrem Verhalten, nicht in ihren
Reden, wahre Freunde: Als sie davon hören, dass Hiob alles verloren hat,
reisen sie an, klagen und weinen mit ihm und „saßen bei ihm auf der
Erde sieben Tage und sieben Nächte; keiner sprach ein Wort zu ihm. Denn
sie sahen, dass sein Schmerz sehr groß war.“ Wenn der Schmerz groß ist,
helfen Reden und Schuldfragen nichts.
Dabeisein ist alles.
Gott
greift nicht ein, er ist kein „deus ex
machina“, der vom Schnürboden auf die Bühne heruntergelassen
wird, wenn es brenzlig wird, aber auch kein gleichgültiger oder
gekränkter Zuschauer. Sein Dabeisein ist alles. Seine Zuwendung zu den
Menschen zeigt sich weder durch großangelegte Eingriffe noch durch
Erläuterungen zu besseren Verständnis. Das Christentum gewinnt eine neue
Perspektive auf diese Frage nach dem Sinn oder Unsinn des Leidens: Im
Glauben an einen Mensch gewordenen Gott, der selbst gelitten hat,
erübrigen sich Erklärungen durch diese oder jene Theorie; wichtiger ist,
dass Gott an der Seite der Menschen steht, mit ihnen auf der Erde
sitzt. Denn Liebe macht verletzlich, und Gott setzt sich mitleidend
dieser Verletzlichkeit aus. Daher müssen Leid und Tod nicht mehr als
Strafe für begangene Schuld oder auch nur als Prüfung verstanden werden,
sondern können als Teilhabe am Leiden Gottes selbst wahrgenommen
werden, der den Lauf der Geschichte hin zu ihrer letzten Bestimmung
durch Solidarität mit den Leidenden vorantreibt. Das geschieht durch die
Gegenwart Gottes in dem verborgenen, aber bereits wirksamen
Gottesreich, das mit Jesus, dem Christus, begonnen hat.
Ist
damit alles erklärt? Eben gerade nicht, denn Erklärungen können die
Gegenwart Gottes nicht ersetzen...
Susanne Heine und Peter Pawlowsky)
Weitere
interessante Funde aus jüdischen Quellen
Die
Gegenwart und Allmacht Gottes
Schechina
....als ob dies
überhaupt möglich wäre
Der Begriff Schechina (hebr.: שכינה),
bezeichnet in der jüdischen Theologie die „Einwohnung“ oder „Wohnstatt“
Gottes in Israel, die als Inbegriff der Gegenwart Gottes bei seinem Volk
verstanden werden kann. Das Bedeutungsspektrum schließt eine Reihe von
Nebenbedeutungen wie „Ruhe“, „Glück“, „Heiligkeit“ oder „Frieden“ ein,
immer als Merkmale, die den Wirkungskreis der Gegenwart Gottes
charakterisieren und für den Menschen spürbar werden lassen.
Zimzum
Gottes Gegenwart [nach der
Kabbala]
Wie gehen Freiheit des allmächtigen Gottes und Freiheit
des endlichen Menschen zusammen? Über diese Frage haben sich
Generationen von Theologen die Köpfe zerbrochen und heftige
Streitigkeiten losgetreten. Bleibt da nicht ein unauflösbares
Entweder-Oder? Hier die absolute Freiheit des Schöpfers, die eine echte
Eigenverantwortung des geschaffenen Menschen ausschließt, dort die
Autonomie des Menschen, angesichts derer die bleibende
Geschichtsmächtigkeit Gottes kaum noch vorstellbar ist?
Die
Spannung zwischen beiden Polen lässt sich schwer aufheben, und doch
lassen sie sich, zumal von der Bibel her, so aufeinander beziehen, dass
sich aus ihrem Verhältnis eine schöpferische Dynamik entfaltet. Mit
einer Vorstellung, die mich sehr bewegt, hat die lurianische Kabbala,
eine Strömung der jüdischen Mystik, einen Weg aus dem Dilemma zu weisen
versucht. Danach nimmt Gott, der als unendlicher keinen Raum für anderes
neben sich ließe, sich selbst zurück, um die Schöpfung zu ermöglichen.
Doch auch der Raum, den er auf diese Weise freigibt, ist nicht ohne sein
Licht.
Vielmehr trägt er seine Prägung wie der Duft, der in
der Flasche bleibt, wenn kein Parfüm mehr darin ist.
Dieses
"Zimzum" genannte Geschehen lässt klar hervortreten, dass Freiheit in
ihrer höchsten Form gerade nicht Streben nach grenzenloser Ausdehnung
bedeutet. Im Gegenteil: Wahrhaft frei sein heißt, dem Anderen Raum geben
zu können. Wie schwer uns das im Alltag fällt, wissen wir alle.
Vielleicht hilft es aber, sehen zu lernen, wo Gott uns Freiräume
schafft, wenn wir uns ihm öffnen. Wer erfahren hat, dass nicht
krampfhafte Selbstbehauptung, sondern Geborgenheit in Gottes Güte uns
wahrhaft leben lässt, dem fällt es leichter, anderen gegenüber großzügig
zu sein.
Chassidische Erzählungen
Als Rabbi Jizchak Meir ein
kleiner Junge war, brachte ihn seine Mutter einmal zum
Maggid von
Kosnitz. Da fragte ihn jemand: »Jizchak Meir, ich gebe dir einen Gulden,
wenn
du mir sagst, wo Gott wohnt.« Er antwortete: »Und ich gebe dir zwei
Gulden,
wenn du mir sagen kannst, wo er nicht wohnt.«
Ein
Rabbi war zu Gast bei gelehrten Männern. Er überraschte sie mit der
Frage: "Wo
wohnt Gott?"
Sie lachten über ihn: "Was redet Ihr? Ist
doch die Welt voll seiner Herrlichkeit voll!"
Er aber beantwortete
seine eigene Frage: "Gott wohnt, wo man ihn einläßt."
Gebet
Herr Jesus Christus, ich opfere dir meinen Tag, meine Arbeit, meine Kämpfe, meine Freuden und meine Schwierigkeiten. Lass mich, wie auch meine Brüder und Schwestern in der Welt der Arbeit, denken wie du, arbeiten mit dir, leben in dir.
Gib mir die Gnade, dich mit meinem ganzen Herzen zu lieben und dir mit allen meinen Kräften zu dienen.
Dein Reich komme in die Familien, die Fabriken, die Werkstätten, die Büros, die Kasernen und in alle Stätten der Bildung und Freizeit.
Gib, dass alle, die heute in Gefahr sind, in deiner Liebe bleiben und schenke den Verstorbenen deinen Frieden. Herr, bleibe bei uns. Amen.