(Walter Habdank)


JESUS MEINE HOFFNUNG


Du bist meine Freude und meine Zuversicht,
auf Dich vertrau ich und zweifle nicht.




Lebendige Hoffnung

auch für Dich
Wenn Du Schweres erlebt hast und tief verletzt worden bist durch Misshandlung; Verlusterfahrung, Mobbing, Vernachlässigung, Ablehnung;
immer wieder ähnliche Konflikte erlebst;
Angst davor hast, geliebt zu werden oder zu lieben;
Mühe hast, anderen Personen zu vertrauen;
nicht weißt, wer Du bist und das Gefühl hast, nicht existieren zu dürfen;
unter unbeherrschten Gefühlen wie Angst und Wut leidest;
von beunruhigenden Träumen verfolgt wirst;
Dich in einer Krise befindest:
Lebendige Hoffnung auch für Dich!





Werke der Barmherzigkeit,
Früchte des Heiligen Geistes

Unterdrückte befreienm
Hungernde speisen / Durstige tränken
Fremde / Obdachlose beherbergen
Nackte kleiden
Kranke pflegen
Gefangene und Arme besuchen
Mittellose und Zugezogene bestatten
Trauernde trösten
Sterbende begleiten




Der Pilgerweg mit sieben Stationen an sozialen Brennpunkten

WEG DER HOFFNUNG IM MÜNCHENER NORDEN
MACHT-
BARMHERZIGKEIT

www.macht-barmherzigkeit.de






Hl. Louise von Marillac, 1591-1660
(Pieta von Walter Habdank)





Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus. Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn.
Bibel, Altes Testament, Jesaja 58,7

Wer zu anderen barmherzig ist, tut sich selbst etwas gutes. Wer aber zu Mitmenschen hartherzig ist, schneidet sich ins eigene Fleisch.
Bibel, Altes Testament, Sprüche 11,17-18

Einem Bedürftigen Helfen heißt Gott etwas leihen, der wird es voll zurückerstatten.
Bibel, Altes Testament, Sprüche 19,17

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Bibel, Neues Testament, Matthäus 5,7

Lasst uns, solange es noch Zeit ist, Christus besuchen, Christus heilen, Christus nähren, Christus bekleiden, Christus beherbergen, Christus ehren.
Gregor von Nazianz (um 320-390), Patriarch von Konstantinopel, kapadokischer Bischof und Kirchenlehrer

Die Alten und die Weisen, die daran denken, dass auch ihnen Übles widerfahren kann, sowie die Schwachen und Furchtsamen sind eher barmherzig. Jene hingegen, die sich für glücklich halten und für so mächtig, dass ihnen nichts Böses widerfahren könne, erbarmen sich nicht so leicht.
Thomas von Aquin (1225-1274), scholastischer Theologe und Philosoph

Die Barmherzigkeit ist der Zweck der Religion, die Seele der Tugenden und der innerste Kern des Gesetzes.
Jacques Bénigne Bossuet (1627-1704), französischer katholischer Bischof und Philosoph

Eines anderen Pein empfinden heißt nicht barmherzig sein. Recht barmherzig sein will heißen: wenden eines anderen Pein.
Friedrich von Logau (1604-1655), deutscher Dicher

Die Barmherzigkeit mit der Seele ist die Seele der Barmherzigkeit.
Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910), deutscher evangelischer Theologe, Begründer der Bodelschwingschen Anstalten in Bethel

Die christliche Barmherzigkeit jedoch kann nicht mit wahrem Ernst ihr Werk ausrichten, ohne auf soziale Missstände zu stoßen, deren Beseitigung unerlässlich ist, wenn die christliche Liebe ihr Ziel erreichen will.
Jonathan Söderblohm (1866-1931), schwedischer lutheranischer Bischof

Wenn man arm ist, so denkt man: Wenn ich Geld hätte, so würde ich's mit meinen guten Freunden teilen. Aber wenn das Geld kommt - fort ist die Barmherzigkeit.
John Steinbeck (1902-1968), US-amerikanischer Schriftsteller

Barmherzigkeit sollte man nicht im voraus überlegen. Barmherzigkeit, wie Liebe auch, sollte blind sein.
Graham Greene (1904-1991), englischer Schriftsteller

Alle Christen müssen befürchten, eines Tages aus Christi eigenem Munde die Worte zu vernehmen: "Ich habe Hunger gehabt, und du hast mir nichts zu essen gegeben."
Simone Weil (1909-1943), französische Philosophin und Verfasserin religiöser Schriften





Vom Weltgericht
Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vater, ererbt das Reich, das euch bereitet ist, von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.
...
Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Die Bibel, aus Matth. 25





Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes

Lobe den HERRN, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den HERRN, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht
und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht
allen, die Unrecht leiden.
Er hat seine Wege Mose wissen lassen,
die Kinder Israel sein Tun.

Barmherzig und gnädig ist der HERR,
geduldig und von großer Güte.

Er wird nicht für immer hadern
noch ewig zornig bleiben.

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
Die Bibel, Ps. 103, 1 - 13





LIEBET EURE FEINDE – SEGNET DIE EUCH FLUCHEN

Manche von Euch kennen meine Geschichte mit den Nachmietern. Trotzdem jetzt auch für die, die die Geschichte noch nicht kennen:
Ich hatte mit meiner Frau eine Wohnung im Birkenweg. Nach ziemlich kurzer Mietzeit hatten wir die Chance, in eine größere Wohnung zu ziehen. Allerdings brauchten wir Nachmieter. Wir fanden tatsächlich welche. Doch dann kam es zu Unstimmigkeiten. Wir fühlten uns von ihnen über den Tisch gezogen.
Mann – das hat mich gewurmt! Zuerst habe ich den Juristen raushängen lassen. Habe einen ernsten Brief geschrieben. Höflich, aber sehr ernst. Das machte die Situation nur schlimmer.
Irgendwann fiel mir ein: „Ach, ich bin ja Christ! Vielleicht sollte ich nicht als Jurist rangehen, sondern als Christ!“ Also habe ich versucht, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Habe auch versucht, den Nachmietern im Gebet Gutes zu wünschen.
Und trotzdem: Ihr Verhalten hat mich weiterhin gewurmt! Ich konnte beten, wie ich wollte – aber ich war nach wie vor total ärgerlich.
Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich diese Geschichte einigermaßen abhaken konnte. Und erst als ich eine dieser Personen nach längerer Zeit mal getroffen hatte und wir nochmal reden konnten, spürte ich wirklich Ruhe.

Vielleicht kennst Du solche Phasen. Da denkt man: „Als Christ sollte ich ja eigentlich nett sein!“ Aber gleichzeitig spürst Du: „Ich kann und will aber nicht nett sein!“
Jesus sagt:
27Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. a 29Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. 30Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! (Lk6,27 ff.)
Also – ehrlich: Wer packt das? Bei meinen Nachmietern habe ich mich anders gefühlt. Erwartet Jesus von uns wirklich solch ein Verhalten?

Es gibt eine Anekdote vom Kirchenmann Johann Peter Hebel:
Ein Bauer trifft den Herrn Schulmeister im Felde an und sagt. "Ist's noch Euer Ernst, Schulmeister, was Ihr gestern den Kindern zergliedert habt: so dich jemand schlägt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar?" Der Herr Schulmeister sagt: "Ich kann nichts davon und nichts dazu tun. Es steht im Evangelium." Also gab ihm der Bauer eine Ohrfeige und die andere auch, denn er hatte schon lang einen Verdruss auf ihn.
Indem reitet in einer Entfernung der Edelmann vorbei und sein Jäger. "Schau doch nach, Joseph, was die zwei dort miteinander haben." Als der Joseph kommt, gibt der Schulmeister, der ein starker Mann war, dem Bauer auch zwei Ohrfeigen und sagte: "Es steht auch geschrieben: Mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch wieder gemessen werden. Ein voll gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euern Schoss geben", und zu dem letzten Sprüchlein gab er ihm noch ein halbes Dutzend drein.
Da kam der Joseph zu seinem Herrn zurück und sagte: "Es hat nichts zu bedeuten, gnädiger Herr; sie legen einander nur die heilige Schrift aus." 


Wieso fällt es manchmal so schwer, andere Menschen wirklich zu segnen?
Ich meine: Es hängt mit unserem Menschsein zusammen. Wir sind so geschaffen, dass wir uns nach Anerkennung sehnen. Wir suchen nach Lob und Komplimenten. Wir suchen nach Liebe und Zärtlichkeit.
Wir brauchen Anerkennung – selbst, wenn es nur ein kleines bisschen ist.
Jetzt stell‘ Dir vor, dass Du aber statt Anerkennung Kritik hörst. Du wirst nicht geachtet, sondern missachtet. Du wirst nicht geschätzt, sondern gemobbt. Welche Gefühle kommen da hoch? Wut. Trauer. Einsamkeit.
Wenn Du so fühlst, wie kannst Du da den anderen segnen? Den anderen zu segnen ist doch total gegen das Gefühl!

Und trotzdem: Bei Jesus sehen wir, dass es geht.
Als Jesus am Kreuz hing, nachdem er gefoltert worden war, da sprach er ein Gebet: „Gott, vergib‘ ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“
Jesus hat für seine Mörder gebeten! Und das, obwohl er Schmerzen über Schmerzen hatte.
Als Jesus zu seinen Leuten sagte: „Segnet, die Euch fluchen!“ da war das keine fromme Phrase, sondern Jesus hat das wirklich so gemeint. Und: Er hat es gelebt!

Was ist der Schlüssel dazu? - Wie gehen wir mit Konflikten um?
Jesus war kein Träumer. Er wusste, dass es sehr rauh in dieser Welt zugehen kann. Das Leben ist selten ein Zuckerschlecken. Er hat seinen Leuten nicht das Paradies auf Erden versprochen.

Als Jesus sagte:
„Segnet, die Euch fluchen!“ da war schon klar: Es gibt Leute, die Dich verfluchen wollen.
Als Jesus sagte: „Bittet für die, welche euch beleidigen!“ da war klar: Es gibt Leute, die Dich beleidigen und verletzen wollen.
Warum das so ist, erklärt Jesus kaum.

Jesus sagt also:
Es gibt Konflikte.
Unvermeidlich!
Er geht davon aus, dass Konflikte da sind.
Feinde, Verflucher, Beleidiger ...
Das ist also nicht das Thema.

Das Thema ist:
Wie gehe ich mit solchen Konflikten um?
Jesus empfiehlt nicht:
- renne weg!
- verstecke dich!
- warte ab!
- schlag‘ zurück!

Sondern Jesus empfiehlt: Werde aktiv! Reagiere auf das Unrecht!
Jesus sagt auch nicht, dass wir das Unrecht beseitigen müssen. Er sagt nicht, dass wir alle Probleme lösen können.
Aber wir können eines tun: Segnen! Für den anderen bitten! Ihm Gutes tun!

Warum sagt Jesus das? Deswegen:
„V. 31, Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“
Das ist die Regel:
Wenn Du in einem Konflikt stehst, wenn Du merkst, dann jemand was gegen Dich hat,
dann überlege: Wie sollte eigentlich mit Dir umgegangen werden? Was wäre Dein Wunsch?
Wie sollte mit Dir umgegangen werden?
Wenn Dir darauf eine Antwort einfällt, dann lerne, mit deinem Gegner genauso umzugehen!

Es kann sein, dass wir trotz guter Gedanken unsere Emotionen nicht in den Griff kriegen.
Wie es bei meinen Nachmietern war. Oder bei den Leuten, mit denen Du Schwierigkeiten hast.
Da sind vielleicht die Sorgen, die Dich runterziehen: Wie soll es finanziell weitergehen?
Werde ich Frieden in meiner Beziehung finden? Da sind vielleicht Ängste, die Dich bedrängen: Du hast vielleicht Angst, eine Krankheit zu bekommen. Oder es kommt Angst hoch, dass Du arbeitslos werden könntest.
Vielleicht ist da auch Schuld: Vielleicht gibt es Dinge in Deinem Leben, die nicht gut sind. Die Dich und andere kaputt machen. Die auch gegen Gott gerichtet sind.
All das kann sich zwischen uns und Gott schleichen. Das kann zwischen uns stehen und wir sind dann auf Distanz zu Jesus oder sogar getrennt von Ihm. Dann wird es uns sehr schwer fallen, andere zu segnen.
Es gibt dann nur einen Weg der Heilung: Zurück zu Jesus.
Jesus sagte: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ (Joh.15,5)
Getrennt von Jesus ist es uns unmöglich, wirklich das zu tun, was Gott will.
Praktisch heißt das auch: Lasst uns Zeit nehmen, um zu Jesus zu reden. Zu beten. Lasst uns Zeit nehmen, um Ihn in der Bibel zu erforschen.
Ich merke etwas von Seiner Barmherzigkeit. Ich mag schuldig sein und fehlerhaft. Aber Jesus will mich heilen. Er meint es gut mit mir.
Dann aber schwenkt die Kamera in meiner Vorstellung. Und neben mir steht?
Na, wer? Meine Nachmieter!

Und wisst Ihr, was Jesus zu ihnen sagt?
Genau das Gleiche wie zu mir. Natürlich sieht Jesus auch ihre Sorgen, Ängste und ihre Schuld. Aber er sagt ihnen genauso zu: „Ich will Euch heilen, denn ich bin für Euch!“
Diese Vorstellung entwaffnet mich.
Ich fange an, meine Gegner als wertvolle Wesen zu sehen. Als Menschen, die Gott gewollt hat. Trotz ihrer Macken und Fehler.
Dieses Bild löst emotional was in mir aus. Mir fällt es dann schwerer, gegen den anderen zu sein. Mir fällt es leichter, den anderen zu segnen.

Warum fällt es mir leichter? Weil ich selber Gnade und Barmherzigkeit von Gott erfahre.
Mir selber wurde vergeben. Immer wieder. Jesus hat den Preis dafür bezahlt. Er hat mit seinem Leben gezahlt. Deshalb darf ich frei zu Gott kommen.

Im Grunde ist es so: Ich erfahre Segen von Gott. Und meinem Gegner gebe ich dann was davon ab.

Luther:
„Ob mich wohl dieser oder jener stark beleidigt hat, dass ich ihm wünschen würde es sollten ihn die Maden fressen, so will ich es doch nicht tun. Denn dieses wäre nur eine heidnische, und nicht eine christliche Barmherzigkeit. Hat er mir Übel und Unrecht getan: nun, wer weiß, wie ich es verdient hätte. Ich will ihn darum jetzt nicht, da er meiner Hilfe bedarf, laufen lassen; denn ich sehe, dass er Hilfe bedarf und ich ihm helfen kann. Also tut mein Vater im Himmel doch auch mit mir."





(Joachim Domning, Vituswerk Meppen)



Gotteserfahrung in alltäglichen Erlebnissen

Viele erfahren Gott in den täglichen Ereignissen ihres Alltags. Was andere für Zufall halten, das erleben sie als Fügung Gottes. Sie erfahren Gottes Zuwendung...
Gott selbst spricht zu ihnen, wenn ihnen gerade jetzt dieser Mensch begegnet, wenn sie in der Buchhandlung ausgerechnet auf diesen Buchtitel stoßen oder wenn sie in der Zeitung von einer Situation lesen...
Solche Erfahrungen sind kein Gottesbeweis. Aber dennoch können sie für mich zu konkreten Gotteserfahrungen mitten in meiner Lebensgeschichte werden. Gott begegnet mir nie direkt.
... Ich kann darüber nicht lauthals berichten, sondern nur achtsam und behutsam, in einem bescheidenen Glauben, dass Gott mich da (behütet oder) berührt hat.

... Ich habe in meiner Lebensgeschichte jahrelang gedacht, Gott dafür einspannen zu können, damit er mich von den lästigen Ängsten, Traurigkeiten und Hemmungen befreien möge. Heute weiß ich, dass ich Gott für mich benutzt habe. Es ging mir nicht um Gott, sondern um mich selbst. Je älter ich werde, desto klarer wird mir, dass das konkrete Leben, so wie es ist, der Ort ist, an dem ich Gott erfahren kann. Das verlangt allerdings einen anderen Umgang mit meinen Emotionen und Ängsten.

Statt Gott zu bitten, dass er mir meine Angst nehme, folge ich meiner Angst bis zu ihrem Ende. Ich gebe zu, dass ich Angst habe vor dem Krankwerden und Sterben. Wenn ich einverstanden bin mit meiner Angst, dann führt sie mich zu Gott. Gerade in meiner Ohnmacht, meine Angst loszuwerden, lasse ich mich dann mit meiner Angst in Gott hineinfallen.

Auf dem Grund meiner Angst geht mir Gott auf. Ich spüre auch, mit meiner Angst bin ich in Gottes Hand. Solange ich Gott darum bitte, mir die Angst zu nehmen, halte ich an der Illusion fest, dass ich mich selbst im Griff habe und dass ich meine Ängste überwinden könne. Es ist die Illusion meines Ego.
Die Mystik spricht davon, dass die wahre Gotteserfahrung den Ich-Tod voraussetze. Viele haben das falsch verstanden und gegen das eigene Ich gewütet.

Wir sollen nicht gegen unser Ich wüten, sondern uns vom Leben in die Schule nehmen lassen!

Wenn ich mich in meine Angst ergebe, lasse ich meine Illusion in bezug auf meine Fähigkeiten, mein Leben selbst bewältigen zu können, los. Und gerade an diesem Ort geht mir Gott auf, mehr als durch alle selbst gewählten Meditationsmethoden.

(aus „Wenn Du Gott erfahren willst, öffne deine Sinne“ von Anselm Grün)